Gotische Sprache ist derjenige Zweig der Germanischen Sprachen (s. d.), welcher von den got. Völkern gesprochen wurde. Sie stand in enger Verbindung mit den nordischen Sprachen und bildete mit diesen die ostgerman. Sprachgruppe. Das Gotische ist von so ungemeiner Wichtigkeit, weil in dieser Sprache die ältesten Überreste german. Sprachen geschrieben sind und ein Studium anderer german. Der agt ohne das Gotische nicht gut denkbar ist. Der got. Konsonantismus steht noch auf der Stufe der ersten Lautverschiebung, d. h. indogermanisch (lat.⸗griechisch) d, b, g wird Der P, E; 3, S, I h) zu d, b, g; t, p, k zu p. f, h. er Vokalismus weicht von der urgerman. Muttersprache dadurch ab, daß er das urgerman. e, welches das Althochdeutsche noch erhalten, zu 1 geschwächt und vor h under das e in ai und o in an noch eine reichere Formenfülle, das Verb hat neben dem Aktivum ein besonderes Medium, neben Singular und Plural noch den Dual; die Endsilben sind noch in ihrer alten Reinheit und Ungeschwächtheit bewahrt. Die Quellen der got. Sprache sind die Fragmente der Bibelübersetzung des got. Bischofs Ulfilas (d. h. Wölflein, 311 — 381), deren umfangreichstes der Codex argenteuso zu Upsala ist, welcher einen großen Teil der Evangelien enthält. Andere Bruchstücke, namentlich der Briefe, finden sich zu Wolfenbüttel, Mailand, Turin, Fragmente einer got. Erklärung des Johannes-Evangeliums zu Rom. Ausgaben des Ulfilas von Gabelentz und Löbe (2 Bde., mit Grammatik und Lexikon, 1843—46), A. Uppström (Upsala 1854), E. Bernhardt (Halle 1876), M. Heyne (7. Aufl., Paderb. 1878). Vgl. Leo Meyer, „Die got. Sprache »(Berl. 1869); Braune, «Got. Grammatiko (2. Aufl., Halle 1882); Diefenbach, „Vergleichendes Wörterbuch der got. Sprache v (2 Bde., Frankf. 1851); E. Schulze, „Got. Glossarv (Magdeb. 1847).