Selen (chem. Zeichen 8e; Atomgewicht = 79), ein von Berzelius 1817 entdecktes Element, das in seinen chem. Eigenschaften dem Schwefel, dem Tellur und Arsen sehr nahe steht, ist bis jetzt nur selten als Selenblei, Selenquecksilber, Selensilber, Selensilberblei u. s. w. in den Eisensteingruben zu Tilkerode, Zorge und Lorbach am Harz und in dem Schlamme gefunden worden, der sich in den Bleikammern ansammelt, die zur Darstellung der Schwefelsäure dienen, falls man zur Erzeugung der schwefligen Säure Schwefelkies (Pyrit) anwendet. Seinen Namen (von sen, der Mond) hat es erhalten, um seine Zugehörigkeit zu dem schon früher entdeckten Tellur (von tellus, die Erde), mit welchem es große Ähnlichkeit hat, anzudeuten. Es ist ein dunkelbrauner, glasglänzender Körper, der muscheligen Bruch hat, bei 217 schmilzt und gegen 700e siedet. Sein spezifisches Gewicht = 4,23. In dieser Form ist das S. in Schwefelkohlenstoff löslich. Erwärmt man es auf 97, so steigert sich seine Temperatur plötzlich auf 220“ und es verwandelt sich das S. in eine andere krystallinische Modifikation von 4,8 spezifischem Gewicht. In dieser Modifikation ist es in Schwefelkohlenstoff unlöslich. In einer dritten Modifikation erhält man es, wenn es durch reduzierende Agentien aus seinen Verbindungen abgeschieden wird. Es bildet dann ein amorphes rotes Pulver, welches in Schwefelkohlenstoff löslich ist und aus dieser Lösung in roten Krystallen gewonnen werden kann. Es verbrennt an der Luft noch unter dem Kochpunkte mit blauer Flamme unter Verbreitung eines höchst widrigen Geruchs nach faulem Rettich. In konzentrierter Schwefelsäure löst sich das S. mit grüner Farbe. Bezüglich seiner chem. Verbindungen zeigt das S. große Ahnlichkeit mit dem Schwefel; dem Schwefelwasserstoff entspricht der Selenwasserstoff, der schwefligen Säure die selenige Säure, der Schwefelsäure die Selensäure.