Schwere (Schwerkraft) bezeichnet in seiner allgemeinsten Bedeutung die zwischen allen Körpern im Weltraume vorhandene Anziehung, auch allgemeine Schwere oder Gravitation (s. d.) genannt, während es in einem engern Sinne sich nur auf die Anziehung zwischen der Erde und den auf ihr befindlichen Körpern erstreckt. Die S., wie sie zwischen den Weltkörpern wirkt, steht im geraden Verhältnisse ihrer Massen und im umgekehrten der Quadrate ihrer Entfernung. Wenn die Erde eine Kugel von überall gleicher Dichtigkeit wäre, so würde die aus der S. aller ihrer materiellen Teilchen resultierende Kraft genau durch ihren Mittelpunkt gehen und an allen Punkten ihrer Oberfläche gleichgroß sein. Man kann sich unter dieser Voraussetzung die ganze Masse der Erde, wenn es sich um ihre Anziehung auf einen außerhalb der Oberfläche liegenden Punkt handelt, in ihrem Mittelpunkte vereinigt denken, und die anziehende Kraft der S. (der Erde) auf einen außerhalb der Erde befindlichen Körper steht dann im umgekehrten Verhältnisse des Quadrats der Entfernung dieses Körpers vom Mittelpunkt der Erde. Anders muß es sich aber natürlich mit der Anziehung auf einen in dem Innern der Erde, also in ihrer Masse selbst gelegenen Punkt verhalten, indem hier die von diesem Punkte nach auswärts liegenden Teile der Erde gerade nach entgegengesetzter Richtung anziehend wirken als die übrigen. Hieraus folgt, daß die S. innerhalb der Erde in geradem Verhältnisse mit den einfachen Entfernungen vom Mittelpunkte derselben zunimmt. Für die Erklärung sehr vieler Erscheinungen genügt die obige Annahme der Kugelgestalt unserer Erde. Da jedoch unsere Erde ein Umdrehungsellipsoid ist, dessen Polardurchmesser kleiner als der Aquatorialdurchmesser, so wird schon aus diesem Grunde die Schwerkraft nicht an allen Punkten der Oberfläche gleichgroß sein können: sie wird unter dem Aquator kleiner sein müssen als unter den Polen. Dazu kommt noch, daß die infolge der Umdrehung der Erde entstehende Centrifugalkraft der Schwerkraft unter dem Aquator gerade entgegenwirkt, während dieser Einfluß nach den Polen zu geringer wird; es wird daher die Schwerkraft unter dem Agquator um so mehr kleiner sein müssen als unter größern Breiten oder unter den Polen. Die Größe der S. (oder Schwerkraft) wird gemessen durch die Geschwindigkeit, welche sie einem freifallenden Körper während des Falls von einer Sekunde am Ende der letztern mitteilt. Mit großer Genauigkeit erhält man diese Endgeschwindigkeit der ersten Sekunde durch die Beobachtung der Schwingungsdauer eines Pendels von gemessener Länge, indem die Schwingung des Pendels einen fortwährenden Fall auf schiefen Ebenen von veränderlicher Neigung darstellt. Nach Bessels Versuchen beträgt dieselbe für Berlin 9,8125 m. Die