Schwertorden heißt ein nach dem Muster des Templerordens von Bischof Albert 1202 zu Riga unter dem Namen «Brüder der Ritterschaft Christi in Livlando gegründeter Orden nach der Tracht der Brüder (weißer Mantel, auf der Brust zwei rote, gekreuzte Schwerter). Papst Innocenz III. bestätigte den S. und verpflichtete dessen Meister zum Gehorsam gegen den Bischof. Der erste Meister war Vinno von Rohrbach in der Ordensburg zu Wenden. Der S. eroberte schnell ganz Livland und Estland, machte sich bald vom Bischof ziemlich unabhängig, ließ sich 1207 den dritten Teil alles eroberten Landes abtreten und erwarb 1210 vom Papst noch weiter gehende Rechte. Später verlor der Orden durch unglückliche Kämpfe an Macht und Ansehen und vereinigte sich 1237 nach einer schweren Niederlage mit dem Deutschen Orden, der zu Riga einen Landmeister (später Heermeister) als Gebieter der Schwertbrüder einsetzte. In Anerkennung der dem Hochmeister Albrecht von Brandenburg gegen Polen geleisteten Dienste wurde der S. zu Beginn des 16. Jahrh. mit größerer Selbständigkeit begabt und unter demselben immandfern Walter von Plettenberg infolge der Umwandlung Preußens in ein weltliches Herzogtum völlig unabhängig. Der S. trat dem Schmalkaldischen Bunde bei, verlor jedoch durch die Kirchenreformation die Grundlage seines Bestehens und löste sich nach dreijährigem (1558 —61) tapfern Widerstande des Heermeisters Gotthard Ketteler gegen die von Narwa und Dorpat vordringenden Russen auf. Ketteler übergab das Ordensgebiet im Herbst 1561 zu Wilna an König Sigismund II. von Polen und wurde dafür mit dem Herzogtum Kurland belehnt. Vgl. Runge, „Orden der Schwertbrüder» (Lpz. 1875).