FeedLivländische
ErdkundeBrockhaus 1882

Livländische Schweiz genannt wird. L. wurde dem übrigen Europa erst durch bremer Kaufleute bekannt, die 1158 auf ihrer Fahrt nach Wisby auf Gothland an die livländ. Küste verschlaen wurden. Schon 30 Jahre später war der Augustinermönch Meinhard zur Bekehrung der dortigen Bewohner thätig. Bischof Albrecht baute 1201 die später so bedeutende Stadt Riga und gründete 1202 den Orden der Livländischen Schwertritter, der sich später mit dem Deutschen Orden verband (1237—1520) und nach kurzer Occupation des Landes von seiten Dänemarks ganz L., Kurland, Semgallen und Estland unterwarf. Die Kämpfe mit Iwan Wassiljewitsch II. brachen die Macht des Ordens, der 1561 nur noch Kurland nebst Semgallen als Lehn der poln. Krone behielt, während Estland schwedische und L. poln. Schutzprovinz wurde. Nach dem Tode des letzten Heermeisters des Deutschen Ordens, Gotthard Kettler, der schon als weltlicher Herzog regiert hatte, wurde L. wechselsweise von Rußland, Polen und Schweden beansprucht. Der Friede zu Oliva verband 1660 L. mit Estland als schwed. Provinz, und 1721, im Frieden zu Nystad, kamen beide Länder an das Russische Reich, welches später auch Kurland und Semgallen, die dritte der Ostseeprovinzen, mit sich zu vereinigen wußte. Trotz der namentlich in neuerer den hervorgetretenen entschieden russifizierenden Tendenzen der Regierung, welche zu lebhaften Kämpfen Veranlassung gaben, hat L. sich bis jetzt seine landständische Verfassung, die Herrschaft des deutschen Rechts und der deutschen Sprache zu erhalten gewußt. Ein Teil der Landbevölkerung wurde um 1840 zur griech.⸗orthodoxen Kirche übergeführt; neuerdings hat sich indessen der Protestantismus wieder befestigt, wozu wesentlich der Einfluß der 1802 begründeten deutschen Landesuniversität zu Dorpat beiträgt. Die der hanseatischen nachgebildete Verfassung der livländ. Städte wurde im Mai 1877 durch kaiserl. Ukas aufgehoben. (S. Ostseeprovinzen.) Vgl. de Bray, Essai sur I'zhistoire de la Livonier (3 Bde., Dorp. 1817); Schlözer, «L. und die Anfänge deutschen Lebens im batischen Nordeno (Berl. 1850); Eckardt, Bürgertum und Bureaukratie; vier Kapitel aus der neuesten livländ. Geschichtes (Lpz. 1870); Willkomm, „Streifzüge durch die baltischen Provinzen» (Bd. 1: Liv⸗ und Kurlando, Dorp. 1872); Fahne, «L. Ein Beitrag zur Kirchen⸗ und Sittengeschichtes (Düsseld. 1875): Eckardt, L. im 18. Jahrh.» (Bd. 1, Lpz. 1876); „Liv⸗, Est⸗ und Kurländisches Urkundenbuche (be4½ von Bunge, fortgesetzt von Hildebrand, d. 1—7, Riga u. Mosk. 1852—81).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 130Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6