Rustige (Heinr. von), Maler, auch als Dichter bekannt, geb. 12. April⸗ 1810 zu Werl in Westfalen, widmete sich auf der Düsseldorfer Akademie unter Schadows Leitung der Kunst und erlangte bereits 1821 durch Darstellungen aus dem Genregebiet von der berliner Akademie einen Preis. Unter den zahlreichen nun folgenden Bildern größern Umfangs, die das rheinische und süddeutsche Volksleben zum Gegenstande haben, sind die vor dem Gewitter flüchtenden Schweizermädchen (Wagener-Galerie in Berlin) und Scene aus dem Tiroler Kriege hervorzuheben. Mit Rethel und andern Künstlern der Düsseldorfer Schule siedelte R. 1836 nach Frankfurt a. M. über und wirkte dort als Lehrer am Städelschen Institut. Unter den Bildern dieser Periode sind zu nennen: die junge Witwe (gestochen von Müller), die Goldene Hochzeit und die Zigeuner (in Leipzig), die Überschwemmung (Nationalmuseum in Berlin) u. s. w. Einer Reise durch Ungarn und Deutschland schloß sich ein Studienaufenthalt in Paris, Brüssel und Antwerpen an, und neben den zahlreichen Genrebildern, welche in dieser Periode entstanden, malte er auch für eine Kirche in Westfalen ein großes Altargemälde. Im J. 1844 wurde R. als Professor an die Kunstschule in Stuttgart gerufen. Damals entstanden: die Geusenpredigt (in Amerika), das Woie. Genczende Kind (König von Württemberg), die enesende (Prinzessin Mathilde in Paris), Soldatenlager (bim Besitz des Kaisers von Rußland) u. s. w. Vom Genregebiet wandte sich R. mit Erfolg der Historie zu. Die Staatsgalerie in Stuttgart besitzt von derartigen Bildern: Herzog Alba im Schloß zu Rudolstadt, Kaiser Otto I. nach Besiegung der Dänen den Speer ins Meer schleudernd; die stettiner Galerie; Kaiser Ottos III. Leichenzug. Als Dichter trat R. 1845 mit Gedichtend (Frankf. a. M.) hervor. Später wandte er sich dem Drama zu und schrieb: Filippo Lippiv, «Attilav, KKunrad Widerholdo, Ludwig der Bayery und «Eberhard im Barto. Auch veröffentlichte er eine Sammlung humoristischer Dichtungen: «Reime und Träume im Dunkelarresto (Stuttg. 1876) und den ästhetischen Essay: „Das Poetische in der bildenden Kunsto (Stuttg. 1876). Sein Deutscher Marscho (komponiert von Kücken, 1839) ist beliebtes Soldatenlied geworden. Durch das Ritterkreuz des württemb. Kronenordens wurde R. in den persönlichen Adelsstand erhoben. Er ist auch Inspektor der Staatsgalerie und der des Königs in Stuttgart.