FeedSchwingen
Sport & SpielBrockhaus 1882

Schwingen heißt in der deutschen Schweiz eine manchen Berggegenden eigentümliche Form des Ringens, bei der sich beide Teile gegenseitig mit der Faust und ausgestrecktem Arme am Wulst ihrer bis zum Oberschenkel zurückgerollten Beinkleider oder an besonders dazu bestimmten Schwinghosen fassen (daher der Trivialname Hosenlupf), um einander in die Höhe zu heben und durch einen kräftigen Schwung zu Boden zu werfen. Dieses Kampfspiel, das sowohl in den Beinen, wie in den Armen große Kraft und Gewandtheit erfordert, hat seine genau bestimmten althergebrachten Regeln, und Sieger ist, wer den Gegner auf den Rücken wirft. Die Schwinger benachbarter Thäler, oft auch diejenigen mehrerer Kantone, versammeln sich öfters an bestimmten Tagen und Punkten zum Wettkampf oder „Schwingeto, so auf der Großen Scheideck, auf den Alpen zwischen Obwalden und Oberhasli, Emmenthal und Entlebuch u. s.w.; seltener bei Interlaken, Bern, Burgdorf u. s. w., wo die Schwingfeste größere Dimensionen annehmen, zugleich aber ein gutes Teil ihrer Ursprünglichkeit und Volkstümlichkeit einbüßen. Die vom Kampfrichter ausgeteilten Preise bestehen in Kränzen, Geld, Uhren, Schafen u. s. w. Wer an mehrern aufeinander folgenden Schwingfesten Sieger geblieben, ist der Schwingerkönig. Als die besten Schwinger gelten die Emmenthaler und Oberhasler (Bern), die Entlebucher (Luzern) und die Obwaldner. Vgl. Schärer, «Anleitung zum Ringen und S. » (2. Aufl., Bern 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 615Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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