FeedSchyn
ErdkundeBrockhaus 1882

Schyn heißt die spaltenartige unterste Thalstufe der Albula (s. d.) im schweiz. Kanton Graubünden. Die 14, kmelange, 1868 69 erbaute Schynstraße durch den Engpaß zweigt bei Thusis (746 m) von der Splügenstraße östlich ab, überschreitet bei der Nollamündung den Hinterrhein, tritt unweit Sils in die tief zwischen schwarzen Schieferwänden eingeschnittene Spalte des S., dessen schwierigste Stelle, der Paßmal, mehrere Tunnel, bedeutende Felssprengungen und gemauerte Galerien erforderlich machte, gelangt über die kühne Solisbrücke, die mit einem Bogen von 24 m Weite den 77 m tiefer liegenden Fluß überspannt, auf die rechte Seite der Schlucht und mündet unweit Tiefenkastel (889 m) in die Julierstraße. Als Verbindungsglied zwischen der Splügen⸗ und Bernhardinstraße einerseits, der Julier⸗, Albula⸗, Landwasser⸗ und Lenzerheide andererseits, ist die Schynstraße eine der wichtigsten Poststraßen Graubündens. An Kühnheit der Anlage und Großartigkeit der Scenerie wird sie nur von der Via mala übertroffen. Seiacra, Hafenstadt in der Provinz Girgenti, an der südwestl. Küste Siciliens, Hauptort eines Bezirks, 6ki im Nordosten vom Cap San-Marco, an und auf einer steilen Höhe (80 m) am Meere gelegen und durch diese Lage, sowie durch ihre zahlreichen Türme und alten Ringmauern von weitem imponierend, aber im ganzen schlecht gebaut, hat einen von Julia, der Tochter König Rogers I., gegründeten Dom mit merkwürdigem Echo, eine Menge anderer Kirchen und Klöster und verschiedene, wegen ihrer mittelalterlichen Architektur interessante Gebäude. Sie war im Mittelalter eine königl. (keinem Baron gehörende) Stadt (mittellat. Jatium, Caxa). Doch wohnten hier wichtige Dynasten, deren Burgen noch jetzt in Trümmern (namentlich an der Ostseite der Stadtmauer) vorhanden sind. Hier erheben sich die Kastelle der Familien Luna und Perollo, deren Kämpfe die Stadt während eines Jahrhunderts (1410— 1529) in Aufregung setzten. Der Hafen ist klein. Die Stadt zählt (Ende 1881) 22 184 C., die Töpfereien, namentlich für kühlende Gefäße aus poröser Erde, desgleichen mancherlei andere Manufakturen Unterhalten und starken Sardellenfang, sowie Handel treiben. Man bemerkt in der Umgegend überall vulzanische Thätigkeit. Bei S. waren die warmen Bäder von Selinus (Thermae Selinuntiae). Etwa eine Stunde im Osten liegen jedoch auf dem isolierten Bergkessel Monte-San-Calogero (350 m hoch; im Altertum Mons Cronius) die merkwürdigen Dampfbäder (le stufe), deren ve Aulaae wu zwischen 34 und 40 C. schwankt. Ihre Anlage wurde im Altertum dem Dädalus, die Entdeckung ihrer Heilkraft im Mittelalter dem San-Calogero zugeschrieben. Merkwürdig sind die teilweise künstlichen Höhlen des Berges. In dem Thale zwischen dem Berge und der Stadt befinden sich heiße Schwefelquellen (45e und heiße Salzquellen (566), die im Sommer von vielen Kranken besucht werden. S. ist Geburtsort des Historikers Tommaso Fazello.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 619Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6