Seckendorff (Veit Ludw. von), berühmter Staatsmann und Gelehrter, Sohn des von den Schweden 1642 enthaupteten 0 m 0 Ludwig von S., wurde zu Herzogenaurach in Oberfranken 20. Dez. 1626 geboren, besuchte die Schulen zu Coburg, Mühlhausen und Erfurt und studierte in Straßburg Jurisprudenz und Geschichte. Hierauf trat er in Ernsts des Frommen Dienst, der ihn unter Ernennung zum Hof⸗ und Kammerjunker mit der Aufsicht über seine Bibliothek betraute. Nachdem er 1651 Hof⸗ und Justitienrat geworden, wurde er mit verschiedenen Gesandtschaftsreisen beauftragt, 1656 Geh. Hof- und Kammerrat, 1657 auch Hofrichter zu Jena, 1663 Wirkl. Geheimrat und Kanzler. In diesen Amtern nahm er fast an allen wichtigen Reformen des Herzogs im Staats-⸗, Kirchen⸗ und Schulwesen hervorragenden Anteil. Durch ihn wurden unter anderm die langen Streitigkeiten über das Hennebergische Erbe geschlichtet; ebenso brachte er die Zerwürfnisse zwischen dem Kurfürsten von Mainz und der Stadt Erfurt zu vorläufigem Ende. Im J. 1664 trat S. in die Dienste des Herzogs Moritz von Sachsen-⸗Zeitz, von dem er wieder als Geheimrat, Kanzler und Konsistorialpräsident angestellt wurde. Kurfürst Johann Georg II., dem S. 1655 als Kurprinzen seinen „Fürstenstaato gewidmet hatte, verlieh ihm 1669 die Würde eines kurfürstl. sächs. Geheimrats und einen ansehnlichen Jahrgehalt. Im J. 1681 gab S. seine Amter in Zeitz auf und zog sich auf sein 1677 erkauftes Rittergut Meuselwitz im Altenburgischen zurück, wo er das Schloß baute und die Stelle eines Obersteuer⸗ und Landschaftsdirektors des Fürstentums Altenburg fortbekleidete. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg berief ihn 1691 zum Vorsitzenden der Kommission, die zu Halle die Streitigkeiten der Pietisten (Spener) und Orthodorxen schlichten sollte, und übertrug ihm auch das Kanzleramt an der neugegründeten Universität Halle, welche fortan als eine Pflanzschule des im ganzen deutschen Vaterlande neuerweckten religiösen Sinnes angesehen wurde. S.s Berufung bezeichnet die Wendung, welche sich um jene Zeit in den Sympathien und Antipathien der Gebildeten Deutschlands zu Gunsten des hohenzollernschen Staats vollzog. Sachsen, der bisherige Hort des Protestantismus, wurde aufgegeben, die Hoffnung und das Zutrauen der strebsamen Geister aus den übrigen Stämmen wandten sich Brandenburg zu. S. starb 18. Dez. 1692 kinderlos. Von S.s Schriften sind zu nennen: der Deutsche Fürstenstaato (Gotha 1655 u. öfter), das «Compendium historiae ecclesiasticaer (von Artopäus und andern 1723 beendet, Lpz. 1660 — 64), der «„Christenstaato (Lpz. 1685), das «Jus publicum Romanorum (Frankf. 1686). Sein berühmtestes, durch Maimbourgs jesuitische Histoire de Lutheranismeo veranlaßtes Werk ist jedoch der CCommentarius histor. et apologet. de Lutheranismov (3 Bde., Opz. 1692). Vgl. Schreber, Historia vitae ac meritorum Viti Lud. à. S.o (Lpz. 1733); Nasemann, Veit Ludwig von S. v, in den 45wer suchf Etnutewiete »(Bd. 12); W. Roscher, «Zwei sächs. taatswirte im 16. und 17. Jahrh. » (in Webers Archiv für die sächs. Geschichtes, Bd. 1, Lpz. 1862).