Schlaf (somnus) heißt derienige Zustand, in welchem die bewußten Thätigkeiten des Körpers aufhören und nur die unbewußten und unwillkürlichen Verrichtungen (Herzthätigkeit, Atmung, Verdauung) sich noch vollziehen. über die Ursachen des S. und die Vorgänge bei demselben ist im allgemeinen noch wenig bekannt. Man weiß fast nur, daß durch den S. Körper und Geist gekräftigt werden und daß ihn die Ermüdung herbeiruft. Der S. scheint demnach durch Erschöpfung gewisser Organe, insbesondere der nervösen Centralorgane bedingt zu sein, und diese Erschöpfung scheint sich im S. wieder auszugleichen. Die Unterschiede, welche man über die Zustände des Körpers im Wachen und Schlafen kennt, reichen nicht aus, das Zustandekommen jener Ausgleichung zu erklären. Im S. wird das Gehirn außerordentlich spärlich mit Blut versorgt, und alle Verhältnisse, welche das Gehirn blutarm machen, wirken schlafmachend. Nach einer reichlichen Mahlzeit sammelt sich das Blut vorzugsweise in den Bauchorganen, während in das Gehirn weniger Blut strömt, und es tritt Neigung zum S. ein. Starke Blutverluste machen den ganzen Körper, somit auch das Gehirn anämisch und bewirken somit S.; ähnlich wirken starke Kälte, Verminderung oder einförmige Beschaffenheit der äußern Sinnesreize und der Genuß von Alkohol und andern narkotischen Giften. Umgekehrt wird der S. verscheucht, wenn das Gehirn reichlich mit Blut versorgt wird. Manche Leute schlafen nicht eher ein, als bis sich die kalten Füße erwärmt haben; übergroße geistige Anstrengung erschöpft zwar, läßt aber dennoch den S. nicht aufkommen. Gewisse Erfahrungen weisen ferner darauf hin, daß ein bestimmtes Ernährungsmaterial vorhanden sein muß, wenn der S. tief und kräftig sein soll. Man schläft schwer ein und schläft unruhig, wenn man hungerig ist, und es ist Thatsache, daß ein gutgenährter Körper weniger S. bedarf als ein schlecht genährter; d. h. mit wenig Material braucht der Körper mehr Zeit, die im Wachen eingetretene Abnutzung auszugleichen, als mit viel. Kinder bedürfen mehr S. als Erwachsene, ja der Neugeborene erwacht in den ersten Lebenswochen nur, um Nahrung zu sich zu nehmen und sofort wieder einzuschlafen. Im allgemeinen bedarf das sechs⸗ bis siebenjährige Kind 9—10, der Erwachsene durchschnittlich 7 Stunden, der Greis noch weniger Schlaf. Im S. ist der körperliche Stoffwechsel wesentlich Wäctunh us namentlich die Wärmeproduktion beträchtlich vermindert, weshalb ein lebhaftes Bedürfnis nach Schutz gegen Abkühlung empfunden wird. Die Atmung erfolgt langsamer und oberflächlicher, die Pulsfrequenz ist herabgesetzt, die Harnstoffausscheidung fast um die tsehr verringert. Reflexbewegungen (s. d.) werden oft sehr ausgeprägt im S. beobachtet; dagegen vermögen die psychischen Thätigkeiten sich nur in der verschwommenen und unvollkommenen Form des Traums (s.d.) zu äußern. Das dem S. in der Regel vorausgehende Gefühl von körperlicher und geistiger Abspannung und Mattigkeit wird als Schläfrigkeit bezeichnet. Die Unterbrechung des S., das Erwachen, erfolgt durch die Einwirkung der äußern Sinnesreize, namentlich durch Schall, grelles Licht und Erregungen der Hautnerven. Leichte Grade von S. nennt man Schlummer und Halbschlaf. Unter krankhaften Zuständen kommen ebensowohl Schlafsucht (s. d.) vor als Schlaflosigkeit (s. d.). Die Mittel, deren sich der Arzt bedient, um S. hervorzurufen, sind mannigfaltiger Art. Kühlen des Kopfes, Verdunkeln des Zimmers, Vermeidung von Sinneseindrücken kann den S. fördern; eigentliche schlaferzeugende Arzneien (Somnifera) sind namentlich der Mohn und seine Präparate (Opium, Morphium, Narcein), Bromkalium, Paraldehyt, Chloroform und Chloralhydrat, sowie das neuerlich empfohlene Urethan. Vgl. Preyer, cüber die Ursachen des S.y (Stuttg. 1877); Spitta, „Die Schlaf⸗ und Traumzustände der menschlichen Seele (Tüb. 1878).