Seidl (Joh. Gabriel), österr. Dichter, geb. 21. Juni 1804 in Wien, wurde 1829 Gymnasialprofessor zu Cilli in Steiermark, von wo er 1840 zum Custos am Münz⸗ und Antikenkabinett zu Wien berufen ward. Seit 1847 war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften daselbst. S. wurde 1856 zum k. k. Hofschatzmeister ernannt und erhielt 1867 den Titel und Charakter eines k. k. Regierungsrats. Er starb zu Wien 18. Juli 1875. Unter seinen Dichtungen stehen die lyrischen, namentlich seine Balladen und Romanzen, obenan; auch seine mundartlichen Dichtungen: Gedichtein niederösterr. Mundarte (Wien 1844), haben viele Verbreitung gefunden. Hervorzuheben sind besonders: Dichtungen (3 Bde., Wien 1826—29), 4Bifolieno (Wien 1836; 5. Aufl., Wien 1855), Liedertafelo (Wien 1840), «Lieder der Nachty (2. Aufl., Wien 1851), Natur und Herzy (3. Aufl., Stuttg. 1859). Alle seine Gedichte sprechen durch tiefes und warmes Gefühl, Reinheit des Sinnes und Geschmacks und Wohllaut an. Weniger bedeutend sind S.s Erzählungen, z. B. «Pentamerono (Wien 1843). Auch seine Dramen, z. B. Das erste Veilchendo, Die Unzertrennlichens und mehreres nach fremden Vorbildern Gearbeitete, erregten weniger Aufmerksamkeit, bis er mit den Lokalstücken «'s letzte Fensterlno und Drei Jahre nach'm letzten Fensterln hervortrat, welche großen Beifall fanden. Seine (Gesammelten Schrifteno erschienen in sechs Bänden (Wien 1877—81). An seine heimatlichen Studien schließen sich an Wanderungen durch Tirol und Steiermarks (Lpz. 1840), Sagen und Geschichten aus Steiermarko (Graz 1881) und akademische Arbeiten, wie Chronik der archäol. Funde in der niederösterr. Monarchies, «über den Dolichenuskulto u. s. w., sowie mehreres Epigraphische. Sein neuer Text zu Haydns «Gott erhalte u. s. w. v wurde 1854 offiziell als österr. Volkshymne anerkannt. Vgl. Hartel, Johann Gabriel S. Nekrologs (Wien 1875).