Sejanus (Lucius Alius), Günstling des röm. Kaisers Tiberius, war der Sohn des Ritters Sejus Strabo aus der etrur. Stadt Volsinii, aber von einem Alius (vermutlich dem unter Augustus als Präfekt Agyptens bekannten Alius Gallus) adoptiert. Der Vater war schon unter Augustus Befehlshaber der Prätorianergarde. S. selbst befand sich im Gefolge des jungen kaiserl. (schon im J. 4 n. Chr. verstorbenen) Prinzen Gajus Cäsar. Der Kaiser Tiberius machte ihn bald nach seinem Regierungsantritt zum Genossen seines Vaters im Kommando der Garde, und als einige Jahre später der Vater Statthalter in Agypten wurde, erhob Tiberius den S. zum alleinigen Präfekten der Prätorianer. In dieser Stellung bestimmte er den Kaiser zu einer Maßregel, die für die spätern Kaiser sehr verhängnisvoll wurde, indem er der bessern Disciplin der Soldaten und der bessern Sicherung des Kaisers halber nicht bloß die gesamte Garde, die unter Augustus zum Teil außerhalb Roms auf einzelne Plätze verteilt war, in Rom zusammenzog, sondern auch 23 n. Chr. für diese Truppe am Viminalischen Thore ein stark verschanztes Lager errichtete. Da es ihm gelungen war, die Gunst und das Vertrauen des Kaisers im höchsten Grade zu erwerben, so gewann S. immer mehr Macht. In seiner Herrschsucht räumte er alles aus dem Wege, was ihm entgegenstand. Selbst den Kronprinzen Drusus, der ihn schwer beleidigt hatte, beseitigte er mit Hilfe von dessen, ihm in ehebrecherischer Liebe ergebenen, eigenen Gemahlin, der Prinzessin Livia (oder Livilla), 23 durch Gift. Bereits mit dem Plan sich tragend, als Tiberius' Nachfolger künftig selbst die röm. Krone zu gewinnen, wußte er mit Arglist auch die Verhältnisse zwischen Tiberius und dessen Nichte Agrippina (des Prinzen Germanicus Witwe) und ihren Söhnen zum Bruch zu treiben und den völligen Sturz dieser Angehörigen des Kaisers (mit alleiniger Ausnahme des nachmaligen Kaisers Gajus Caligula) herbeizuführen. Als es ihm dann gelungen war, den Tiberius zu bestimmen, 26 Rom für immer zu verlassen und seinen dauernden Aufenthalt auf der Insel Capri zu nehmen, konnte S. als der Stellvertreter des Kaisers und als künftiger Mitregent wenigstens des Nachfolgers des Tiberius angesehen werden. Doch begann im J. 31 Tiberius, gewarnt von Antonia, der Witwe seines Bruders Drusus, den Günstling zu durchschauen und ihm seine Gunst zu entziehen, während S. sich zu einem großen Schlage gegen Tiberius rüstete. Der Kaiser wußte ihn aber durch diplomatische List zu umspinnen und zu besiegen. S. ließ sich so überrumpeln, daß er 18. Okt. 31 durch Tiberius' Agenten im Senat zu Rom verhaftet werden konnte. Der Senat ließ ihn sofort hinrichten. Vgl. Jülg, Vita Lucii Aeli Seiani Tiberio imperante praefecti praetorioo (Innsbr. 1882). gejm, der frühere Reichstag in Polen; Sej mik/ der Landtag daselbst. 1130