FeedSaturninus (Lucius Appulejus S.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Saturninus (Lucius Appulejus S.), röm. Volkstribun, Zeitgenosse des Gajus Marius, war mit dem Senat verfeindet worden, weil ihm dieser um 105 v. Chr. die Versorgung der Hauptstadt Rom mit Getreide, die er als Quästor in Ostia zu leiten hatte, abgenommen und dem Scaurus übertragen hatte. Schon in seinem ersten Volkstribunat, im J. 103, war er als eifriger Demagog aufgetreten; im zweiten, 100 v. Chr., griff er, mit dem Prätor Servilius Glaucia und dem berühmten demokratischen Feldherrn Marius, der das Konsulat zum sechsten mal bekleidete, verbündet, die senatorische Partei offen an. Er hatte wohl schon in seinem ersten Tribunat durch Gesetze, wonach für die Veteranen des Marius außerhalb Italiens Kolonien gegründet werden sollten, die Pfade des Gajus Gracchus betreten. Jetzt suchte er durch ein Gesetz, welches die Getreidepreise für das Volk maßlos herabsetzte, und durch ein anderes, in welchem er Ackerverteilungen an das Volk in Oberitalien beantragte, sich dessen Gunst zu sichern, den Senat aber dadurch zu demütigen, daß eine dem letztgenannten Gesetze angehängte Klausel im voraus jeden Senator bei Strafe der Ausstoßung und einer Geldbuße von 20 Talenten verpflichtete, das Gesetz zu beschwören, wenn es, wie es geschah, vom Volke angenommen würde. Der Senat fügte sich bis auf einen einzigen, den frühern Censor Quintus Cäcilius Metellus Numidicus, welchen S., sein persönlicher Feind, nun in das Exil trieb. Hierauf setzte er es durch, daß er und ein gewisser Equitius, den man für den Sohn des Tiberius Gracchus ausgab, für das nächste Jahr zu Tribunen gewählt wurden, und nachdem der Ralsiaals Gajus Memmius, der dem Servilius Glaucia als Mitbewerber um das Konsulat entgegenstand, von ihrer Rotte in der Volksversammlung erschlagen worden war, rüsteten sie sich zum offenen Kampfe gegen die über solche Frevel empörten Bürger. Da verbanden sich Senat, Ritter und alle guten Bürger, und Marius selbst übernahm die Führung. S. mit den Seinen wurde auf dem Forum in offenem Treffen geschlagen, dann auf dem Kapitol, wohin er Rn Dn e zur bergabe genötigt. Das Volk erschlug den Servilius Glaucia sogleich und kurz darauf auch in der Hostilischen Kurie den S., Equitius, Saufejus u. a., die dorthin in Verwahrung gebracht worden. Als Mörder des S. wurde später (im J. 63) von Labienus der Senator Rabirius angeklagt, welchen Cicero in einer erhaltenen Rede verteidigte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 254Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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