Seleneia, Name mehrerer von Seleucus (s. d.) gegründeter Städte in Asien. Die wichtigste, eine der größten Städte des Altertums, war S. am Tigris, Adlersfittichen gleich am Ufer des Stroms ausgebreitet, 45 kKm südlich von Bagdad. Zum Teil aus dem Baumaterial des verlassenen Babylon gebaut, erhob sich die Stadt durch ihre Lage am Tigris, der hier mit dem Euphrat durch einen Kanal verbunden war, rasch zu einer ungeahnten Größe, da fast ganz Babylon sich hier ansiedelte. Seit 140 v. Chr. im Besitz der Parther, wurde die Stadt bei dem Feldzuge Trajans geplündert, und 162 durch Lucius Verus zerstört. Eine Pest, die das ganze Römerreich bis Gallien bald darauf verheerte, wurde vom Volke als eine Rache der Götter für diese Zerstörung gedeutet. Ihr gegenüber lag Ktesiphon (s. d.). S. soll 600000 E. gezählt haben: obgleich fast ganz verödet, ward sie noch später der Mittelpunkt des christl. Glaubens in Mesopotamien. — Noch kennt man S. in Syrien, auch Pieria genannt, nördlich von der Mündung des Orontes, unweit des heutigen Sueidieh. Die Stadt war sehr bedeutend, stark befestigt, sodaß man sie für uneinnehmbar hielt, und mit einem guten Hafen versehen. — Auch gab es ein S. am Taurus in Pisidien, und ein anderes in Cilicien, auch S.⸗Trachea genannt, heute Selevkeh (in deren Nähe Trajan und Friedrich Barbarossa starben). Ferner gab es ein S. am Belusflusse, eins am Hedyphon, eins in Pamphilien, endlich ein anderes in Margiana, wohin die unter Crassus fechtenden, von den Parthern gefangenen Römer versetzt wurden.