Semiodtik (grch.) oder Semiologie, die ärztliche Zeichenlehre, beschäftigt sich mit der Beobachtung aller am menschlichen Organismus wahrnehm-⸗ baren Erscheinungen und mit den Schlüssen, welche aus diesen auf den jeweiligen gesunden oder krankhaften Zustand des Menschen gemacht werden können. Man hat sonach physiologische Zeichen, welche dem Leben in seinem regelmäßigen Gange eigentümlich sind und welche also auf die gesunde Beschaffenheit des betreffenden Organs schließen lassen, und pathologische Zeichen oder Symptome (s. d.), welche bei totaler oder partieller Erkrankung des Organismus hervortreten. Die Bedeutung dieser Zeichen kann teils auf die vergangene Zeit hinweisen (anamnestische Zeichen), teils auf den gegenwärtigen Zustand (diagnostische), teils auf den zu erwartenden Verlauf (progno-⸗ stische Zeichen), teils auf das, was der Arzt zu thun und zu lassen hat (Indikationen). Die S. bietet ein sehr großes Feld für Beobachtung und Forschung, welches in der neuesten Zeit noch besonders durch die Ausbildung der pathol. Anatomie, sowie durch Erfindung der Auskultation und Perkussion und anderer physik. Untersuchungsmethoden sehr erweitert wurde. Vgl. Bock, «Lehrbuch der Diagnostiko (4. Aufl., Lpz. 1861); Guttmann, „Lehrbuch der klinischen Untersuchungsmethodenv (5. Aufl., Berl. 1884).