Sergipe, die kleinste brasil. Provinz, umfaßt 39 090 akm (1883) mit 211173 E., worunter (1882) 26 173 Sklaven. Zwischen 9· 5 und 11² südl. Br., 36 17, und 38 7 westl. L. von Greenwich und an der Küste des Atlantischen Oceans gelegen, wird sie im Norden durch den untern Lauf des Rio Säo-Francisco von der Provinz Alagöas getrennt, im Süden und Westen von der Provinz Bahia begrenzt. Die Küste ist 150 km lang, sandig und flach, das Innere waldbedecktes Hügelland. Die Bewässerung ist in den bewohnten östl. Teilen sehr reich, arm dagegen auf dem westl. Hochlande. Die sämtlich in den Ocean mündenden Flüsse Cotinguyba, Vasa Barris oder Run⸗ der mn und Rio Real, der südl. Grenzfluß, dem links der Rio Piauhy zuströmt, werden in ihrem untern Laufe mit Küstenfahrzeugen befahren; der Oberlauf dieser Flüsse ist durch Stromschnellen und Wasserfälle nicht schiffbar. Der Japuratuba gestattet zwar an seiner Mündung das Einlaufen von Küstenfahrern, wird aber sonst nur von Booten befahren. Das Klima ist heiß, trocken im Innern, feucht an der See. Die Flora auf den Abhängen der Serra de Itabaiana ist reich an den wertvollsten Bau- und Farbehölzern. Das Tierreich weist in der Region der Campos Hirsche und Rebhühner auf; die Mineralienlager der Provinz, welche reich an Eisenerz, Kalkstein und Bergkrystallen sind, sind noch wenig erforscht. Man baut Baumwolle, Zuckerrohr, Mandioka, Tabak, Mais, Reis und Flachs. Zwischen der Serra de Itabaiana und dem Säo-Francisco auf den Campos de Criacao de Gados treibt man sehr lohnende Viehzucht mit Absatz nach den Märkten von Bahia und Pernambuco. Die Industrie besteht in Zucker- und Spritfabrikation, Herstellung von Mandiokamehl, Gerberei und Bau von kleinen Küstenfahrzeugen. Trotz der Lage an der Mündung des großen Flusses ist der Handel ziemlich unbedeutend; die Einfahrt in den Rio Säo-Francisco wie in die andern genannten Küstenflüsse ist schwierig. Die nationalen Dampferlinien berühren Aracajü und Propriä am Rio Säo-Francisco zweimal monatlich; Fahrstraßen und Eisenbahnen mangeln. Das Land war im 16. Jahrh. ein Schlupfwinkel franz. Korsaren und Schleichhändler; 1592 vertrieb Christoväo de Barros die letztern, nahm die Kolonisation von S. in Angriff und begründete die ältere Hauptstadt der Provinz, Säo-Cristoväo. Durch einen Einfall der Holländer 1637 wurden diese Kulturanfänge wieder völlig zerstört; 1696—1821 war S. eine Comarca der Capitania Bahia. Hauptstadt der Provinz ist das erst 1855 angelegte Aracaju, rechts am Continguyba, mit 6000 E., breiten, sich rechtwinkelig schneidenden Straßen, einem landwirtschaftlichen Institut nebst Musterfarm und Ausfuhr von Zucker und Baumwolle; ehemals war Hauptort S. oder Sergipe d'El Rey oder Säo-Christoväo, links am Rio Vasa Barris, 30 km oberhalb dessen Mündung, mit Zuckersiedereien, Tabaksfabriken und Gerbereien.