FeedSeydewitz (Otto Theodor von)
ErdkundeBrockhaus 1882

Seydewitz (Otto Theodor von), Oberpräsident der Provinz Schlesien, geb. 11. Sept. 1818 zu Groß-Badegast, trat, nachdem er das Gymnasium zu Torgau und die Universität Berlin besucht hatte, am 18. Mai 1841 bei dem Land⸗ und Stadtgericht zu Görlitz in den preuß. Justizdienst, ging 1842 zur Verwaltung bei der Regierung in Merseburg über und verließ, nachdem er zuletzt das Landratsamt in Merseburg verwaltet hatte, 1847 den Staatsdienst, um sich der Verwaltung seiner in der Oberlausitz belegenen Güter zu widmen. Er wurde 1858 zum Landrat des Görlitzer Kreises und 1864 zum Landeshauptmann und Landesältesten gewählt. Seit 1851 Mitglied des schles. Provinziallandtags, wurde er 1865 Vize-Landtagsmarschall und nach Einführung der neuen Provinzialordnung Vorsitzender des Provinzialausschusses. Als solcher erwarb er sich wesentliche Verdienste um die Einrichtung der Selbstverwaltung, sowie um die Regelung der von der Grundsteuergesetzgebung beeinflußten eigentümlichen Verfassungsverhältnisse der Oberlausitz und die Errichtung der kommunalständischen Bank. Dem Deutschen Parlamente gehörte S. seit dem Konstituierenden Reichstage bis 1884 an und wurde, als von Forckenbeck 1879 5 Pründer Verhandlungen über den Zolltarif das Präsidium des Reichstags niederlegte, als Führer der deutsch-konservativen Partei zum ersten Präsidenten des Reichstags gewählt. Diese Würde bekleidete er bis zum Schluß der Session und legte dann, zum Oberpräsidenten der Provinz Schlesien ernannt, sein Mandat nieder. Als Mitglied der Provinzial- und Generalsynode nahm er lebhaften Anteil an der kirchlichen Entwickelung und wurde 1883 beim Luther-Jubiläum von der theol. Fakultät der Universität zu Breslau, deren Kurator er seit 1874 war, zum Doktor der Theologie honoris causa promoviert. Auf litterarischem Gebiete hat S. sich durch Herausgabe einer eingehenden Statistik des Görlitzer Kreises verdient gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 746Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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