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GeschichteBrockhaus 1882

Sforza, eine berühmte ital. Familie, die im 15. und 16. Jahrh. eine große Rolle spielte und dem Herzogtum Mailand sechs Regenten gab. Der Stifter derselben war der Sohn eines Landmanns aus Cotignola in Romagna, Muzio Attendolo, der von dem Grafen Alberigo von Barbiano, dem eigentlichen Stifter des ital. Condottierenwesens, den Namen Sforza, d. i. Erzwinger, erhielt. In der Jugend von der Feldarbeit zum Waffenhandwerk übergegangen, zeichnete er sich bald durch Gewandtheit und Kühnheit in den Kriegen im Kirchenstaat, in Toscana und namentlich in Neapel aus, wurde Im Haupt einer der tüchtigsten Condottierenschulen und fand als Großconnetable von Neapel 1424 während der Belagerung von Aquila im Flusse Pescara den Tod. Sein ebenso tapferer Sohn, Francesco S., Len 1401, diente viele Jahre bald Mailand, bald enedig und Florenz und wurde der berühmteste Kriegsmann in Italien. Er heiratete Bianca Maria Visconti, die natürliche Tochter des Herzogs Filippo Maria von Mailand, des letzten dieses Hauses, und errang nach dessen 1447 erfolgtem Tode durch List und Gewalt die Herrschaft über Mailand, welche er 1450—66 mit Kraft und Klugheit, tüchtig als Feldherr wie als Staatsmann, zum Heil des Landes geführt hat. Francescos Sohn, Galeazzo Maria S., ein roher Wüstling, wurde 1476 infolge einer Adelsverschwörung ermordet. Ihm folgte sein unmündiger Sohn, Giovanni Galeazzo S., der von seinem Oheim, Lodovico il Moro, verdrängt und wahrscheinlich vergiftet ward. Um sich auf dem usurpierten Throne zu halten, veranlaßte Lodovico den Zug Karls VIII. von Frankreich gegen Neapel, und führte so, indem er durch Hereinnehung mächtiger Fremden das nationale Staatensystem Italiens auf Jahrhunderte vernichtet, das Unglück des Landes wie das seines eigenen Geschlechts herbei. Später trat er zu dem Bunde gegen Frankreich und wurde deshalb von Ludwig XII. 1499 vertrieben. Zwar kehrte er sehr bald mit Hilfe von Schweizern zurück; allein Ludwig zog nochmals gegen ihn zu Felde. Lodovico, von seinen Schweizersöldnern 1500 ausgeliefert, starb 1510 als Gefangener zu Loches in Touraine. Sein Sohn, Massimiliano S., gelangte zwar 15¹2 E Regierung, mußte aber dem König Franz I., dem Sieger bei Marignano, 1515 sein Land gegen ein Jahrgeld abtreten. Als jedoch Franz I. vom Kaiser Karl V. aus Italien verdrängt war, belehnte der Kaiser Lodovicos jüngern Sohn, Francesco II., der 1521 nachgefolgt war, 1529 mit dem Herzogtum. Dieser starb 24. Okt. 1535. Karl V. gab 1540 das Herzogtum als erledigtes Reichslehn seinem Sohne, dem nachmaligen König Philipp II. von Spanien. Es gibt mehrere Nebenlinien des Hauses S. Von Francescos I. Bruder, Bosio S., stammen die Grafen von ses der Alde in Toscana, Erben des uralten Hauses der Aldobrandeschi und der röm. Cesarini, welche als Herzöge S.⸗Cesarini noch in Rom blühen. Vgl. Litta, «Famiglie celebri italiane (Mail. 1819—52); Magenta, Visconti e gli Sforza nel castello di Paviad (2 Bde., Mail. 1883); Ratti, Della Famiglia S. (2 Bde., Rom 1794).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 749Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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