FeedSgraffito
Bildende KunstBrockhaus 1882

Sgraffito (vom ital. sgraffiare, kratzen) ist eine zuerst im Laufe des 16. Jahrh. in Italien aufge—⸗ kommene Art dekorativer Ausschmückung des Außern von Bauwerken, welche wegen der Leichtigkeit und Billigkeit der Ausführung, sowie wegen ihrer größern Haltbarkeit im Freien, vielfach der Malerei vorgezogen wird. Sie wurde in alter Zeit in Italien und Deutschland häufig geübt. Reste derselben sind in beiden Ländern noch erhalten; doch wurden sie nicht beachtet. Neuerdings brachte Semper das S. am dresdener (1869 abgebrannten) Theater und am Polytechnikum zu Zürich zuerst wieder in Anwendung. Gegenwärtig erfreut diese Dekorationsweise sich wieder großer Beliebtheit und ist in Berlin, Wien, Dresden, Stuttgart und andern Orten mit vielem Glück angewendet worden. Die Technik des S. besteht darin, daß man die zu dekorierende Wand mit einem dunkeln gewöhnlich mit Kohle gefärbten Putz überzieht und auf demselben während er noch frisch, einen ganz dünnen, hellen Putz aufträgt. Auf letztern wird die beabsichtigte Zeichnung aufgepaust und hierauf mit einem spitzen Eisen ausgeschabt oder ausgekratzt, sodaß der dunkle Untergrund sichtbar wird. Man hat dann also eine dunkle Zeichnung auf hellem Grunde. Doch kann man auch umgekehrt eine weiße Zeichnung auf dunklem Grunde herstellen, auch mehrere und andere Farben anwenden. Lange und Bühlmann, Die Anwendung des S. für Facadendekorationo (Münch. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 749Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6