Shaftesbury (Anthony Ashley-Cooper, erster Graf von), engl. Staatsmann unter Karl II., geb. 22. Juli 1621 in der Grafschaft Dorset, stammte seitens der Mutter aus dem Hause Ashley und war der Sohn des Sir Rnee Cooper auf Rockbourne. Er widmete sich in Lincoln's⸗-Inn zu London den Rechtswissenschaften, trat bereits w1640 ins Unterhaus und gelangte bald zu großem Einfluß. Bei Eröffnung des Bürgerkriegs bot er sich der Hofpartei als Vermittler an, die ihn aber zurückwies. Er ging deshalb zur Parlamentspartei über und errichtete ein Truppenkorps, an dessen Spitze er mehrere glückliche Schläge führte. Nach Auflösung des Langen Parlaments erzürnte er den Protektor, seitdem ihm dieser die Hand seiner Tochter versagte, durch seine Opposition, wurde aber doch in das neue Haus gewählt. Als ein Führer der Presbyterianer beteiligte er sich an der Bewegung, die 1660 zur Restauration der Stuarts führte. Mit Monk eng verbunden, trat er in den Geheimen Rat Karls II. ein und war in dem Gerichtshof, der die von der Annestie ausgeschlossenen Cromwellianer, Vane, Harrison u. a. zum Tode verurteilte. Als dann die engl. Hochkirche, eng verknüpft mit dem parlamentarischen Machtkreise, wiederhergestellt und die presbyterianische Richtung aus der Staatskirche verdrängt wurde, sammelte S., der 1661 als Lord Ashley ins Oberhaus berufen ward, diejenigen um sich, welche jenem von dem Lordkanzler Clarendon vertretenen System widerstrebten. Damit 750 Shaftesbury (Anthony Ashley-Coop näherte er sich aber dem König, der sich selbst von dem parlamentarisch gewordenen Hochkirchentum eingeengt fühlte, und nach dem Sturz Clarendons S. in das sog. Cabal-Ministerium aufnahm. Ohne in die katholisierenden Entwürfe eingeweiht zu sein, welche Karl II. durch seinen Bund mit Ludwig XIV. gegen Holland, von Arlington und Clifford beraten, verfolgte, vertrat Ashley, der 1672 als Graf S. zum Lordkanzler erhoben wurde, die kriegerische Politik des Königs und setzte sich mit ihm dem Machtstreben des anglikanisch gesinnten Parlaments entgegen. Diese Politik scheiterte indes. Der parlamentarische Anglikanismus sicherte sich durch die Testakte, und Holland behauptete sich gegen den Angriff, der es vernichten sollte. Darüber zerfiel S. mit dem König selbst, der ihn der Bestechung durch die Spanier beschuldigte und seines Dienstes entließ. Sofort stellte sich jetzt S. an die Spitze der Opposition. Als er unter dem Ministerium Danby 1677 Buckingham in seinen Bemühungen, das in der Mehrheit wieder königlich gewordene Parlament zu raaht. An⸗ unterstützte, wurde er in den Tower gebracht. Nach seiner Befreiung bekämpfte er die Doctrin vom leidenden Gehorsam, beutete das Thrgnan⸗ Komplott von 1678 aus, betrieb die hronausschließung des kath. Herzogs von Vork und stürzte endlich das Ministerium des Grafen von Danby. Im März 1679 zum Präsidenten des Staatsrats ernannt, betrieb er die Ausschließung Yorks und die Thronfolge des Herzogs von Monmouth. Nach der ——j4.— des Herzogs von Vork aus Schottland erhielt S. seine Entlassung aus dem Staatsrat. Wohl begreifend, daß er gegen den Herzog entweder siegen oder unterliegen müsse, verfügte er sich im Febr. 1680 mit zwölf andern vor das Gericht der King's-Bench und klagte ihn als widerspenstigen Papisten an. Nachdem die Ausschließungsbill 21. Okt. verworfen worden, verband er sich mit dem Herzog von Monmouth und andern, um sich im Falle des Todes Karls II. der Thronbesteigung Vorks mit den Waffen zu widersetzen. Dieser Umtriebe wegen ließ ihn der Hof im Juli 1681 in den Tower werfen und im November des Hochverrats anklagen. Jedoch sprach ihn die Jury frei, worauf er mit Monmouth, Russell, Algernon Sidney u. a. neue Demonstrationen gegen die toryistische Regierung unternahm. Jedoch selbst gefährdet, floh er noch 1682 nach Amsterdam, wo er 2. Jan. 1683 starb. S.s Memoirso gab zuerst Martyn heraus (Lond. 1837), dann Christie (Lond. 1860); seine Biographie schrieb der letztgenannte (2 Bde., Lond. 1871—79).