FeedSibiũ (spr. Sibinj)
ErdkundeBrockhaus 1882

Sibiũ (spr. Sibinj), slaw. Name von Hermannstadt. Sibinjanin Janko, d. i. Johann von Hermannstadt, der Name Johann Corvinus Hunyadis in den serb. Volksliedern; in den bulgar. Volksliedern heißt er Jankula. „Sibirien, russ. Sibix, ein zu Rußland gehöriges Land, welches im Süden vom Altai und den damit zusammenhängenden Bergketten, im Westen vom Ural umgürtet, seine Hauptabdachung nordwärts nach dem Eismeer und nordöstlich nach dem Kamtschatkischen und Ochotskischen Meerbusen hat. Es zählt (1885) auf 12495 109,5 qEm 4093 535 E. und zerfällt in Westsibirien (22299474 akm mit 2417916 E.) mit den Gouvernements Tobolsk und Tomsk und in Ostsibirien (10265 162,1 ꝗkm mit 1675619 E.), aus den Gouvernements Jenisseisk, Irkutsk, Transbaikalien und Jakutsk und dem Amur- und Küstengebiet bestehend. (Vgl. die Karte: Nord- und Mittelasien, Bd. II, S. 54.) Das Klima ist rauh und wird nur im Süden an der Grenze von Russisch-Centralasien, am Altai und im Amurgebiet gemäßigter. Die kälteste Zone mit mittlerer Jahrestemperatur von — 12 C. umschließt die Mündungen der Anabara und der Im Winter fällt das Thermometer bis — 41 E., im Sommer steigt es bis + 17 C. Ungeheuere Räume des Nordens starren in stetem Eise und ein nie oder nur spärlich auftauender Schnee, sowie eine endlose Morastfläche oder Tundra deckt die Gegenden von 62—78 nördl. Br. Viel günstiger ist das Klima Südsibiriens, wo zwar die Winter auch streng, aber kürzer sind und schon im März der Schnee schmilzt. Im höhern Norden wird das kleinste vierfüßige Tier, die jenisseische Spitzmaus, gefunden und mitten unter verschütteten Wäldern von Eichen und andern Bäumen das größte, das fossile Mammut. Die westl. und südl. Gebirge liefern reichlich Gold, besonders in den Goldsandlagern am Altai, welche in neuester Zeit diejenigen des Ural noch übertroffen haben. Der Ertrag an gediegenem Gold belief sich (1882) auf 1749 Pud (zu 16 kg), an Platina 249 Pud, an Silber 446 Pud, Kupfer 4041247 Pud, an Eisen 18151 810 Pud, an Zink 2857918 Pud, an Steinkohlen etwa 70 Mill. Pud, an Naphtha ungefähr 1½ Mill. Pud, an Kochsalz gegen 30 Mill. Pud, auch wurde Zinn in geringer Quantität gewonnen. Bedeutende Graphitlager sind vorhanden am untern Jenissei bei Turuchansk. Die Graphitbergwerke Aliberts, aus welchen auch die Fabersche Fabrik in Stein ihr Material bezieht, liegen am 2500 m hohen Butogolberge, westlich von Irkutsk. Das südliche S. ist fruchtbar, und man erntet bis zu nördl. Br. Omsk, Tomsk und Tobolsk sind als Kornkammern Rußlands und besonders der nördl. Gouvernements zu betrachten. Unter den Riesenströmen des Landes zeichnen sich besonders aus der Ob (s. d.) oder Oby, der Jenissei (s. d.) und die Lena (s. d.). Daneben gibt es Küstenströme, wie Taz, Khatanga, Anabara, Olenek, Jana, Indigirka, Kolyma, Anadyr, die reiche Wasserfülle besitzen. Von dem gewaltigen Amur (s. d.), der ins Ochotskische Meer mündet, bildet der obere Lauf die Grenze gegen das chines. Reich, während der untere Lauf ganz im russ. Gebiet fließt. Unter den Seen ist der größte der Baikalsee (s. d.). Die Seen sind, wie die Flüsse, reich an Fischen. Auch gibt es viele Salzseen in den Steppen. Die Gebirge liefern außer den Erzen schönes Holz, im Norden Tannen- und Lärchen⸗, im Süden Cedern⸗ und Laubholz; ferner Wild⸗ und kostbares Pelzwerk, indem sich in den Urwäldern S.s viele in Europa nicht gewöhnliche Tiere, z. B. Zobel, Hermeline, schwarze Füchse u. s. w., finden. Die Felle der Zobel und Füchse werden zum Teil von den zinsbaren Nationen als Tribut an die Regierung abgeliefert. Die allernördlichsten Gegenden sind völlig kahl und baumlos oder tragen nur verkrüppelte Sträucher. Hier herrscht in den Wintern Kälte, die nicht selten auf 50—55 C. steigt: doch ist der Sommer dagegen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. ungewöhnlich warm und die Luft stets rein und gesund. Fischfang und Jagd bilden hier den einzigen Erwerbszweig. Erst von 60 nördl. Br. südwärts tritt Ackerbau und Viehzucht neben etwas Industrie, z. B. Lederbereitung, Talgsiederei, Glasfabrikation, ein. Unter S.s Gold- und Silberbergwerken ist das Silberbergwerk von Nertschinsk (s. d.) das bedeutendste. Die Gesamtbevölkerung S.s umfaßt etwa 2800000 Russen (wovon 1700000 in Westsibirien), 24000 Ostiaken, 4500 Wogulen, 10000 Samojeden, 66400 Tungusen, 13500 Sojoten (tatar. Finnen), 19000 Kalmücken, 208000 Buräten, 62000 sibir. Tataren, 25000 Karakirgisen, 61000 Kirgis-Kaisaken, 8500 Bucharen, 80000 Jakuten, 3100 Chinesen, 3000 Japaner, 3500 Koreaner, 7000 Tschuktschen, 4500 Korjäken, 2000 Kamtschadalen, 3000 Ainos, 6000 Giljaken, 1000 Jukahiren und 1000 Jenissei-Ostjaken. Griech. Erzbistümer bestehen drei: Tobolsk, Irkutsk und Kamtschatka. Die Verbannten, etwa 150000, unterliegen, mit Ausnahme der zu den Zwangsarbeiten in Bergwerken Verurteilten, keinem andern Zwange, als daß sie unter Aufsicht stehen. Die Schuleinrichtungen sind noch ungenügend; es bestehen 5 Gymnasien, 3 Progymnasien, 4 Realschulen, 4 Lehrerseminare, 12 höhere Mädchenschulen; in Tomsk soll (1886) eine sibirische Universität gegründet werden. Eine Telegraphenlinie durchzieht S. seit 1871 seiner ganzen Länge nach und setzt sich bis eking fort. Eisenbahnen sind projektiert und bereits wurde 1885 die Bahnstrecke von Jekaterinburg bis Tiumen dem Verkehr übergeben. Die ersten nähern Nachrichten über einige Teile dieses kolossalen Landes erhielten die Russen im 16. Jahrh. durch den Kaufmann Anika Stroganow; den Grund zur Eroberung legte ein unruhiger Kosakenhäuptling Jermak Timofejew. Da dieser zu schwach war, sich zu behaupten, so schickte er Abgeordnete nach Moskau, um dem Zaren Iwan Wassiljewitsch dem Schrecklichen seine Eroberung anzubieten, und so kam nach unbedeutenden Kriegen mit dem dortigen Tatar-Chan gegen Ende des 16. Jahrh. Westsibirien unter die Herrschaft Rußlands, dessen Regenten 1563 den Titel Zar von S. annahmen. Die russ. Kosaken drangen 1600 auch nach Ostsibirien vor, erschienen 1627 an der Angara und 1633 in Kamtschatka, 1646 an dem Baikalsee. Dem Scharfblicke Peters I. entging die Wichtigkeit dieser Provinz nicht, und es wurden unter seiner Regierung verschiedene Fabriken und Hüttenwerke angelegt. Durch häufige Niederlassungen geborener Russen und durch Verwiesene stieg die europ. Bevölkerung. Die Russen siedelten sich namentlich in den Flußthälern Westsibiriens an, während die Kosaken eine Postenkette vom Ural bis zum Großen Ocean an der Südgrenze des Landes bilden. Ein Gouvernement S. mit der Hauptstadt Tobolsk wurde 1708 errichtet, das 1806 zu einem Generalgouvernement erhoben und 1822 in Ost- und Westsibirien geteilt wurde. Das Amurland wurde 1858, die Insel Sachalin 1875 erworben, dagegen 1875⁵ die Kurilen an Japan abgetreten. Um die Erforschung S.s haben sich in neuerer Zeit besonders die Russen selbst verdient gemacht. Zu nennen sind die Reisenden Fuß mit Feodorow und Lessing, Wrangell, Ledebur, Bunge‚ Turtschaninow, Politow, Gebler, Helmersen, Karelin, Bulitschew, Middendorff, Semenow, Schrenk, Radde, Maak u. a.; die ethnographischen Verhältnisse sind besonders durch Castren, Böthlingt und Schiefner aufgeklärt worden. Von deutschen Forschern sind Erman (. d.) und A. von Humboldt (1829, mit Ehrenberg und Rose), außerdem der Norweger Hansteen und der Engländer Atkinson zu nennen. In neuester Zeit sind die Lena-Erpedition Czekanowskis (1875), die westsibir. Expedition von Brehm, Finsch und Graf Waldburg-Zeil (1876) und die Umschiffung der Nordküste durch Nordenskiöld (1878—79) hervorzuheben. Ausgangspunkt für die Erforschung S.s bieten die 1851 zu Irkutsk gegründete ostsibir. und die 1877 zu Omsk gegründete raphisch Geselichät. kaiserl. Russischen Geographischen Gesellschaft. E iterakur. Kohn und Andree, &«S. und das Amurgebiete (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1876); Sachot, La Sibérie orientalep (Par. 1875); (Sammlung histor.⸗statist. Nachrichten über S. und die Grenzländere (russ., Bd. 1, Petersb. 1875); Lankenau und Olsnitz, Das heutige Rußlande (Bd. 2: Bilder und Schilderungen aus allen Teilen des Zarenreichs in Asienv, Lpz. 1877); Lansdell, Ihrough Siberiay (4. Aufl., Lond. 1883; deutsch von Müldener, 2Bde., Jena 1882); Joest, Aus Japan nach Deutschland durch S.» (Köln 1882); Gilder, aIce-Pack and Tundras (Lond. 1883; deutsch unter dem Titel: In Eis und Schneer, Lpz. 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 768Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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