Trausbaikalien (russ. Sabaikal, d. h. jenseit des Baikal), eine erst 1851 aus dem südlichsten Teil des Gouvernements Irkutsk gebildete Provinz in Ostsibirien, zwischen dem Baikalsee im W., dem russ. Amurland und der chines. Mandschurei im O. und der Mongolei im S., hat ein Areal von 623596 qkm mit (1885) 497 760 E., darunter 274 100 Russen, 2000 Polen, 122000 Buräten, 5600 Tungusen u. s. w. Das Land hieß früher Daürien nach dem tungusischen Volksstamm der Daüri, welche es bewohnten und seine Silberminen bearbeiteten. Es ist vorherrschend Gebirgsland und bildet die Wasserscheide dreier großen Stromgebiete, des Amur, der Lena und des Jenissei. Im Süden erhebt sich das sibir.⸗ mongol. Grenzgebirge oder Khingan O'ola. An dieses schließen sich die sog. Daurischen Alpen und das östlich diesem anliegende Nertschinskische Erzgebirge in mehrern von Südwesten gegen Nordosten gerichteten Ketten, von welchen die Hauptkette, von den Russen Jablonoi Chrebet (s. d. und Stanowoi CEhrebet) genannt wird. Mit den zahlreichen Bergen, Bergzügen und Thälern wechseln kalte Hochsteppen und mächtige Waldungen. Der südöstlichste Teil der Provinz, zwischen dem Onon und Argun, ist das nordöstl. Ende der Gobi, die waldlose Aginskische Steppe. Außer dieser gehören aber noch 22000 qkm dem Gebiete der Hochsteppen an, welches jetzt ohne Humusdecke ist. Die Gewässer sind überaus zahlreich. In den Baikalsee, der fast in seiner ganzen Ausdehnung mit dem südöstl. Ufer der Provinz angehört, fallen innerhalb derselben im Süden die Selenga, im Norden die obere Angara. Die Mitte des Landes bewässert der obere Witim, einer der bedeutendsten Nebenflüsse der Lena. Das südliche T. gehört dem Gebiete der aus dem Onon und der Ingoda gebildeten Schilka an, aus deren Vereinigung mit dem Argun oder Kerlon der Amur (s. d.) entsteht. Der Ackerbau ist neuerdings von seiten der Regierung gefördert worden und kann in der Westhälfte der Provinz bereits blühend genannt werden. Erhebliche Fortschritte hat die Viehzucht (Pferde, Rinder, Schafe) gemacht, begünstigt durch gutes Grasland und nur auf den Hochsteppen beeinträchtigt durch den Mangel an Süßwasser und den Steppenwinter. Auch das Kamel ist in der Steppe ziemlich häufig als Lasttier in Gebrauch. Fischerei, Bienenzucht und Jagd stehen in Blüte. Letztere liefert gesuchtes Pelzwerk, besonders Hermelin⸗, Zobel- und Wieselfelle. Die Zobel von Nertschinsk gelten als die besten. Die Berge enthalten unerschöpfliche Schätze an Blei und Silber, desgleichen auch Gold, Kupfer, Eisen, Graphit, Zinn, Zink, Steinkohlen, Asphalt und Salz, wozu noch Halbedelsteine und Mineralquellen kommen. Die Metallschätze, verbunden mit dem Reichtum an Holz und Steinkohlen, haben in T. einen großartigen Bergbau⸗ und Hüttenbetrieb hervorgerufen, der jedoch in letzterer Zeit sehr in Verfall geraten ist, da von den frühern sieben Hüttenwerken jetzt nur noch zwei in Betrieb stehen. Dagegen haben die merkantilen Verhältnisse großen Aufschwung genommen. Bon Wichtigkeit erscheint der Transithandel nach China über Kiachta, sowie der Handel nach dem Amurlande, nach dem nördl. und westl. Sibirien, aus welchem der «Sibirische Trakts von Tjumen bis Kiachta führt. Die Hauptstadt T.s ist Tschitä, die wichtigsten Städte sind außerdem Nertschinsk, Kiachta und Werchne-Udinsk. Vgl. Wenjukow, Die russ.⸗asiat. Grenzlandes (Lpz. 1874).