Sieben weise Meister heißt eine durch Inhalt und Verbreitung bedeutende, in einen epischen Rahmen gefaßte Novellensammlung des Mittelalters. Ein von sieben Meistern in aller Weisheit unterrichteter Fürstensohn ist bei seiner Rückkehr an den väterlichen Hof nach Anzeige der Gestirne von Todesgefahr bedroht, wenn er innerhalb sieben Tagen ein Wort rede. Seine Stiefmutter, deren Liebeswerbung er zurückgewiesen, bewegt den Vater jedesmal durch eine bezugsvolle Erzählung, die Hinrichtung des Sohnes zu befehlen; je einer der Meister aber gewinnt durch eine Gegenerzählung einen Tag Aufschub, bis nach sieben Tagen der Prinz selbst die Anschläge seiner Stiefmutter enthüllt. Der Ursprung des Werks ist orientalisch; doch hat sich bis jetzt weder die Zeit seiner Entstehung noch der Gang seiner Verbreitung im Orient genügend ermitteln lassen. Nach Angabe Masudis (gest. 956 n. Chr.) und des fast gleichzeitigen Mohammed Ibn-el-Bedin-el-Werrak war das Buch bereits im 10. Monn in zwei Fassungen arabisch vorhanden, und Mohammed leitet es aus dem Indischen ab. In der That hat sich die Rahmerzählung in buddhistischen Quellen gefunden, freilich nicht als Dichtung, sondern als Geschichte (Gödeke in Benfeys Orient und Occidento, Bd. 3), wenn auch das ind. Original des Buchs verloren scheint. Auch von den erhaltenen arab. und andern orient. Bearbeitungen reicht keine mehr bis ins 10. Jahrh. hinauf. Der ursprünglichen Form am nächsten steht nach Herm. Brockhaus die von diesem (Lpz. 1845) herausgegebene achte Nacht der pers. Bearbeitung des ind. Tutinamehv von Nakhschebi (geb. 1329 n. Chr.). Dagegen hält Gödeke das jüngere, 1375 entstandene „Sindibadnamehy für ursprünglicher. Auf eine Quelle zurückzuführen sind wahrscheinlich eine hebr. Bearbeitung und die griechische (ESyntipaso) des Andreopulos (beide übersetzt von Sengelmann, Halle 1842; letztere herausg. von Boissonade, Par. 1828), der sich selbst wieder auf ein syr. Original beruft, dem wieder ein persisches von einem Musos oder Musa vorausgegangen sei; keins von beiden ist bis jetzt aufgetaucht. Die Kreuzzüge ohne Zweifel vermittelten das Buch dem Abendlande, wo es allmählich in fast allen Sprachen verbreitet ward. Eine lat. Bearbeitung des Johannes de Alta Silva (um 1184 verfaßt), aus der das franz. Gedicht von Dolopathos (herausg. von Brunet und de Montaiglon, Par. 1856, und von Osterley, Straßb. 1873) etwa zwischen 1222—24 von Herbert übersetzt wurde, ist, nachdem jene übersetzung lange für verloren galt, von A. Mussafia wieder entdeckt worden (Über die Quelle des altfranz. Dolopathos», Wien 1865). Die sechs Novellen aus dieser Fassung verbreiteten sich, nachdem der Rahmen gesprengt ward, auch einzeln lateinisch und deutsch. Aus einem andern lat.«Liber de septem sapientibus » ist ein Auszug in des Dominikanermönchs Joannes Junior (der in der ersten Hälfte des 14. Jahrh. lebte) 4Scala coelio erhalten, den Gödeke herausgegeben hat. Dieser Bearbeitung steht unter den französischen zunächst die prosaische, von Leroux de Lincy in Loiseleur Deslongchamps' Essai sur les fables indiennesd (Par. 1838) herausgegebene Fassung, neben welcher der von A. Keller aus einer Handschrift von 1284 datierte Romans des sept suges(Tüb. 1836) eine eigene Gruppe repräsentiert, zu welcher außer den englischen von Weber, Ellis und Wright bekannt gemachten Bearbeitungen auch die ital. Übersetzung eines handschriftlich noch erhaltenen Prosaromans gehört, die D'eAncona herausgab (Pisa 1864). Eine dritte lat. Bearbeitung liegt vor in der mehrfach gedruckten Historia septem sapientum „ oder „Historia de calumnia novercalio, zu der das deutsche Gedicht des Bühelers von 1412 (e Diocletianus' Lebeno, herausg. von Keller, Quedlinb. 1841), eine andere deutsche Bearbeitung in Kellers «Altdeutschen Gedichten (Tüb. 1846), sowie das deutsche und dän. Volksbuch stimmen. Von dieser Fassung existieren auch Bearbeitungen in holländ., schwed., span. Sprache. Auch der um die Mitte des 16. Jahrh. zu Frankfurt a. M. gedruckte Ludus septem sapientum v des F. Modius, der das Buch aus dem Deutschen ins Lateinische zurücküberfetzte, stimmt dazu. Eine Gruppe für sich bildet die «Versio italica, repräsentiert durch die zuerst aus einer nun verschollenen Handschrift von Giovanni Della Lucia (Vened. 1832) und danach von Romagnoli (Bologna 1862) wieder gedruckte «Storia d'una crudele matrignav, den von Cappelli herausgegebenen Libro dei sette savi di Romas (Bologna 1865) und die wiederholt gedruckten und übersetzten Compassionevoli avvenimenti del principe Erastoo. Zur (Versio italicas fand Mussafia auch eine lat. Fassung auf. Sieben Wunder der Welt hießen im Altertum sieben merkwürdige Bau⸗ und Kunstwerke, die sich durch ihre außerordentliche Größe, sowie durch ihre Pracht auszeichneten und zum Teil noch gegenwärtig in ihren Trümmern Bewunderung erregen. Man rechnete dahin die ägypt. Pyramiden, die sog. hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon, den Tempel der Artemis (Diana) zu Ephesos, die Bildsäule des Olympischen Zeus (Jupiter) von Phidias, das Mausoleum, den Rhodischen Koloß und den Pharos (Leuchtturm) zu Alexandria. Es gibt über diese Wunderwerke, deren Kreis von den Griechen erst nach Alexanders Zeit zusammengesetzt wurde, eine Schrift aus der spätern röm. Kaiserzeit. (S. Philo.) Vgl. Rohden, De mundi miraculis quaestiones selectaes (Bonn 1875).