Sunna (arab.), ½½1 soviel wie Herkommen, Sitte, Brauch oder Regel, ist seit dem Auftreten Mohammeds der Ausdruck für das von dem frommen Moslim als mustergültig angesehene Verhalten, Denken und Handeln Mohammeds geworden, über welches die in seiner Umgebung lebenden, zu ihm sich bekennenden Zeitgenossen ausführliche mündliche Berichte überliefert haben. Diese leßtern vererbten sich in den ersten Zeiten des Islam zunächst durch mündliche Uberlieferung von Geschlecht zu Geschlecht fort und bildeten neben dem Koran die Ind aller r. für die Entscheidung aller dogma:ischen Und aller rechtlichen Fragen, welche im Kreise der Bekenner des Islam als streitig angesehen werden konnten. Je mehr Zweifel über Lehre und religiöse Gebräuche, über Fragen des bürgerlichen Rechts, rücksichtlich deren der Koran nur Unbestimmtes, mehrfacher Deutung Fähiges enthielt, im Laufe der Zeit entstanden, desto mehr sah man sich gezwungen, an das durch die frommen Gefährten Mobammeds überlieferte Wort und das Beispiel des Propheten selbst zu appellieren, und deshalb mußte man so schnell als möglich dahin zu wirken suchen, daß diese überlieferung auch von den vielen unechten Zuthaten gereinigt und durch die Schrift fixiert werde. So entstand innerhalb des Islam ein neues Schrifttum, welches man S. oder Hadith (liberlieferung) u nennen pflegt, und welches eine immer größere usdehnung gewann und auf die innere Entwickelung des Islam einen sehr tiefgehenden Einfluß ausübte. Der Begründer dieser tiefgehenden Literatur ist Malik-ben-Anas (gest. 795 n. Chr.), welcher zuerst die mündlichen Überlieferungen sammelte und in dem Muvattap (herausg. in Tunis 1280 der Hedschra 1863 n. Chr. und in Kairo mit Kommentar des Zarkäni) vereinigte. Die berühmteste und des höchsten Ansehens sich erfreuende unter den sechs anerkannten Sammlungen der Überlieferung ist die EI-dshàmi el-ssahihn (d. i. der wahrhafte Sammler) betitelte Sammlung des Buchäri, welcher um 840 n. Chr. 7275 überlieferungen als die am besten beglaubigten und sichersten mit kritischer Sorgfalt aus einer Anzahl von 600000 ausgewählt hatte. Sein Werk, von dem verschiedene Ausgaben l(eine lithographierte Ausgabe erschien in Delhi 1849; eine andere besorgte L. Krehl in 3 Bänden, Leid. 1862 — 68; andere Ausgaben erschienen in Kairo) erschienen sind, wurde oft kommentiert (3. B. von al-Navavi al-Kastaläni). Nach dem Werke des Buchäri ist zunächst die Sammlung des Muslim (2 Bde., Kalkutta 1849; 5 Bde., Kairo 1865 fg., mit dem Kommentar des Navavi) zu nennen, neben dem die Sammlungen des Tirmidhi (Delhi 1844) und die des Nesäi (Delhi 1850), sowie das bisher noch ungedruckte Werk des Abü-Daüd von großer histor. Bedeutung sind. Das ganze Schrifttum, welches sich mit der Erläuterung der Traditionssammlungen, mit der Erörterung der kritischen Fragen über die Echtheit der Überlieferungen und über die Glaubwürdigkeit der Überlieferer selbst, über die altertümliche Sprache der Quellenwerke u. s. w. beschäftigt, ist ein ungemein ausgedehntes. Ein alphabetisches Verzeichnis der authentischen Überlieferungen lieferte al-Sujüthi unter dem Titel: „El-dshämi' el-ssagiro (Der kleine Sammlero), welches mit dem Kommentar des al-Azizi in Kairo (4 Bde. in Fol.) um 1863 erschienen ist.