Sieben Weise nannten die Griechen sieben, auf dem Gebiete der praktischen Staats- und Lebensweisheit ausgezeichnete Männer, welche ungefähr im Anfang des 6. Jahrh. v. Chr. und teilweise schon früher im 7. Jahrh. v. Chr. lebten. Platon, der erste, welcher ihrer ausdrücklich Erwähnung thut, rechnet zu ihnen Thales, Pittakos, Bias, Solon, Kleobulos von Lindos, Myson von Chen und Chilon. Gewöhnlich aber nannte man an Stelle des ziemlich unbekannten Myson den korinth. Tyrannen Periander, während andere den Skythen Anacharsis oder den Epimenides von Kreta oder noch andere die siebente Stelle einnehmen ließen. Diese Männer sollen auch Zusammenkünfte gehalten haben; namentlich wird von einem angeblichen Gastmahl bei Periander in Korinth erzählt, welches Plutarch Anlaß zu einer natürlich erdichteten Schilderung in einer erhaltenen Schrift gegeben hat. Bedeutsamer ist die Sage von dem Wettstreit um den aus dem Meere aufgefischten, von der Pythia für den Weisesten bestimmten Dreifuß, der zuerst dem Thales oder Bias übergeben, von diesem einem andern und so immer weiter gesandt, zuletzt an den ersten zurückkam und dann von diesem dem Apollon geweiht wurde. Was von einer Anzahl kurzer Sprüche, die sich in verschiedenen Sammlungen erhalten haben, echt ist, läßt sich schwer entscheiden, da man die Sieben Weisen später überhaupt als Träger moralischer Sentenzen anzusehen liebte und das, was von solchen im Munde des Volks umlief, gern auf sie übertrug. Unecht ist auch, abgesehen von den Resten der Dichtungen Solons, wahrscheinlich alles, was von Elegien oder Epigrammen ihnen beigelegt wird; ganz entschieden sind es ihre Briefe bei Diogenes Laêrtius. Daß gerade sieben Männer mit dem Beinamen der Weisen beehrt wurden, hat seinen Grund wohl darin, daß Sieben die dem Apollon geheiligte Zahl war, jene Männer aber in vielfacher Beziehung zu Apollon standen. Vgl. Bohren, De septem sapientibuso (Bonn 1867) und Hiller, Die litterarische Thätigkeit der Sieben Weiseno (im Rheinischen Museumo, Bd. 33, 1878).