Firdüsi (Abu'l-Käsim Mancür), der berühmteste epische Dichter der Perser, geb. 939 in Schädäb bei Tüs in Choräsän (daher sein Beiname Tüsi) auf der Besitzung Firduüs (daher sein bekannterer Beiname); nach des pers. Dichters Dschämi Erzählung soll er Firdüsi (d. i. auch 4der Paradiesisched) deshalb benannt worden sein, weil er den Hof des Sultans von Ghazna durch seine Gedichte in ein Paradies verwandelt habe. Seinen Ruhm verdankt er dem fast 60000 Doppelverse enthaltenden Schahnämeh (Königsbuch), einer epischen Darstellung der persischen Geschichte von der Er—⸗ schaffung der Welt bis zum Untergang der Sassaniden. Die Entstehung dieses Heldengedichts erzählt die im 15. Jahrh. verfaßte prosaische Einleitung zu demselben, welche im ganzen zuverlässige Nachrichten enthält. In den ersten Jahren des letzten Sassaniden Jezdegerd III. (632—651) wurde ein großes Geschichtsbuch in der Pehlewi⸗ oder Sprache der Parther und Sassaniden, das Chudainämeh» (Königsbuch) vollendet, welches nach offiziellen Aufzeichnungen bearbeitet war und, wie man aus den von ihm als Quelle abgeleiteten Werken erkennt, in den ältern Perioden bei mangelnder geschichtlicher Überlieferung die auch im Awesta (den heiligen Büchern der Zoroastrier) erscheinende pers. Heldensage einflicht, aber über die Partherzeit (bis 226 n. Chr.) höchst dürftige, über die Zeit der Achämeniden so gut wie keine histor. Nachrichten gab, wohl aber die Geschichte des Alexander und Darius Kodomannus nach dem griech. Alexander-Roman hinzufügte. Dieses jetzt verlorene Werk in Pehlewisprache, von einem Dihkan (Landedelmann) Dänischwer zum Abschluß gebracht, scheint in wenigstens zwei Redactionen verbreitet gewesen zu sein; die eine wurde von Abdallah Ibn Mokaffa (gest. 760) ins Arabische übertragen, und aus dieser und einer etwas spätern Übersetzung floß eine weitere arab. Bearbei⸗ — die wiederum die Vorlage für eine Anzahl arab. Geschichtswerke wurde, unter denen besonders wichtig die von Th. Nöldeke übersetzte Sassanidengeschichte in Tabaris großer Weltchronik ist. Andererseits aber wurde aus dem Chudäinämehv auf Veranstaltung eines Fürsten von Tüs ein pers. „Schähnämehs bearbeitet und mit neuen Episoden vermehrt. Die Sultane von Choräsän, welche die Crinnerung an die ruhmvolle Vergangenheit ihres Volks neu zu beleben an Deham gaben die Anregung einer metrischen Behandlung desselben, welche von Dakiki (s. d.) unter der Dynastie der Samaniden begonnen, von F. aber in großartigem Stil, in dem Versmaß des epischen Reimpaares (jede der beiden Zeilen ist ein Elfsilbler von vier Bacchien, deren vierter um eine Silbe verkürzt ist) vollendet ward. Kein Volk der Erde heit dem «Schähnämehein seine ganze Vergangenheit behandelndes historisches Gedicht von gleichem dichterischen Gehalt zur Seite zu stellen. Es wird erzählt, daß F. von Uneuri, einem Hofdichter des Sultans Mahmüd von Ghazna (997—1030), zu der Bearbeitung empfohlen worden sei, daß sich Mahmüd anfangs fürstlich freigebig, später karg gegen den Dichter gezeigt habe, indem er ihm statt der für die einzelnen Verse verheißenen 60000 Goldstücke die gleiche Anzahl Silberdirhems gegeben habe. F., der bei Vollendung des Gedichts, am 25. Febr. 1010, bereits 71 Jahre zählte, verließ Ghazna, nachdem er eine noch erhaltene äußerst haihe Satire auf Mahmüd verfertigt hatte, in welcher ein hohes Selbstbewußtsein hervortritt. Er entzog sich der Verfolgung Mahmüds durch Entfernung aus dessen Staaten, bis es dem Beherrscher des Kohistan gelang, den erbitterten Mahmüd zu besänftigen, sodaß F. nach seiner Vaterstadt zurückkehren konnte. Mahmüd machte durch ein königl. Geschenk, welches durch eine Karawane nach Tüs geführt wurde, das am Dichter begangene Unrecht gut, allein das Geschenk kam gerade an, als man den Dichter zur Erde bestattete; sein Tod soll durch eine plötzliche Gemütsbewegung veranlaßt sein, da er einen Knaben auf der Straße eine Stelle aus jener Satire recitieren hörte (1020). F. hinterließ keine Nachkommen, ein Sohn war ihm in jungen Jahren gestorhen (die Elegie auf diesen Schicksalsschlag findet sich im Schähnämehy); seine Schwester nahm von dem Geschenk nur so viel an, als zur Herstellung einer Wasserleitung auf dem väterlichen Besitztum nötig war, der größere Teil wurde von Mahmüd zur Erbauung eines Karawanserais bestimmt. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. Die Handschriften des »Schähnämeh sind zahlreich, es gibt besonders prachtvoll geschriebene und mit Miniaturen gezierte (einige Nachbildungen ohne Farben in Dubeux La Perse v); sie Rulun auf den Text zurück, welcher 1425 auf Veranlassung des Baisangar Chän, eines Enkels Timurs, — vielfacher Verderbnis durch zahllose Abschriften ergestellt worden war. Die Hauptausgaben sind die von Turner Macan (4 Bde., Kalkutta 1829), von Jul. Mohl (mit franz. Übersetzung, letztere auch besonders EA 7 Bde. in Fol., Par. 1838 —78) und J. A. Vullers (durch des Herausgebers Tod unterbrochen, 2 Bde. und 2 Hefte des 3. Bandes, Leid. 1877—79). Im Orient gibt es lithographierte Ausgaben, oft mit Illustrationen, unter ihnen ist z. B. die 1850 in Teheran erschienene, von Muhammed Mehdi von Ispahon, nach T. Macans Ausgabe lithographiert. Eine von Lumsden Kalkutta 1811) begonnene Ausgabe wurde nicht fortgesetzt. übersetzt sind nur einzelne Teile des „Schähnämehs, wie die Tötung des Suhrab durch seinen Vater Rustam, von Atkinson (mit dem pers. Text, Kalkutta 1814), von Pizzi (Parma 1872), von Rückert (in ganz freier Nachbildung). Die von Champion begonnene übersetzung blieb beim ersten Bande stehen (Lond. 1788; durch sie erhielt Schiller die Anregung zu den Rätseln der Turandot), auch Atkinsons übersetzung (&Oriental Translation fundo, Lond. 1833) gibt nur Auszüge. Prosaische Auszüge finden sich in Görres' «Heldenbuch von Irand (2 Bde., Berl. 1820), Wickerhauser ubersetzte die Geschichte von Zäl und Rudabah (Wien 1840), Weiß von Starkenfels die des Kai Käwüs (Wien 1851). Das Beste in dieser Art ist des Grafen Ad. Friedr. von Schack Übersetzung von 19 zum Teil unmittelbar aufeinander folgenden, zum Teil durch orientierende Analysen in Zusammenhang gesetzten Abschnitten, mit meisterhafter Wiedergabe des Eindrucks des Originals: «Heldensagen von F.» (Berl. 1865), eine Verbindung zweier früher gesondert erschienener Werke, der „Heldensagen von F.» (Berl. 1851) und der „Cpischen Dichtungen aus dem Persischen des F.» (2 Bde., Berl. 1853). Schon im 12. Jahrh. wurde ein Auszug des Schähnämehs von Kawäm ed-din Abu'l-Fatah in arabischer, 1510 durch Tätär Aly Efendi eine Bearbeitung in türkischer, 1846 eine solche in hindostan. Sprache durch den Munschi Mol angefertigt. Andere Werke findet man in von Hammers «Geschichte der schönen Redekünste⸗ (S. 56) angeführt. Ein anderes episches Gedicht des F. ist das no nicht veröffentlichte von Joseph und Suleika, welches er in Bagdad zur Zeit seines Exils verfaßte und dessen Echtheit mit Unrecht bezweifelt worden ist. Handschriften davon finden sich in London und Orford. Erst in neuerer Zeit sind durch Herm. Ethé auch die lyrischen Gedichte F.s bekannt geworden («Sitzungsberichte der münchener Akademiey, 1872 u. 1873).