Sierra Morêna oder andalusisches Scheidegebirge heißt der mittlere Teil des Marianischen Gebirgssystems im südl. Spanien (s. d.), welcher vom Durchbruchsthale des Guadarmeno an der Grenze von Murcia bis zu dem des Guadiana der Grenze von Portugal als Südrand des centralen Tafellandes Spaniens in westsüdwestl. Richtung hinzieht und seinen Namen «Schwarzes Gebirge von seiner immergrünen Strauchvegetation (Kermeseichen, Erdbeerbäumen u. s. w.) erhalten hat. Diese Sierra bildet zwar ein zusammenhängendes Ganzes, keineswegs aber die Wasserscheide zwischen dem Guadiana und Guadalquivir, sondern ist vielmehr durch den Durchbruch von nicht weniger als 14 Flüssen in viele Stücke zerlegt und läßt sich in eine östl., centrale und westl. Hauptabteilung teilen. In den beiden ersten scheidet sich das düstere Gebirgsland in den aus wellenförmigem Grauwacken- und Thonschiefer gebildeten Hauptzug und den längs seines südl. Randes sich hinziehenden Gürtel sehr verschiedenartig zusammengesetzter und geformter Vorberge, welche zwischen Andüjar und Montoro bis an das rechte Ufer des Guadalquivir herantreten, bei Montoro sogar auch dessen linkes Ufer umwallen. Die höchsten Partien des Hauptzugs, die Felsenberge von Despenaperros in der östlichen und das Gebirge von Calatraveso in der centralen Sierra Morena, übersteigen kaum die Höhe von 1000 m. Die östl. Sierra ist der Saltus Castulonensis der Römer, so genannt nach Castulo (Ruinen Cazlona), der südlich gelegenen Hauptstadt der iberischen Oretaner, welche nördlich und südlich von der östl. Sierra Morena wohnten. Der Saltus Castulonensis wird in den Römerkriegen wegen seiner schwierigen Engpässe öfters genannt; auch wurde in diesem Gebirge im Altertum Bergbau auf Silber betrieben. Die centrale Sierra besteht zwischen den Durchbruchsthälern des Rio de las Yeguas und Bembezar aus zwei Parallelketten, die gegen Westen divergieren und hier das Plateau von Fuente-Ovejuna einschließen, das sich westwärts in die zu Estremadura gehörige Hochebene von Llerena fortsetzt. Die nördl., niedrigere Kette, Sierra de los Pedroches genannt, bildet die Südgrenze der geräumigen, von vielen Guadianazuflüssen durchfurchten, stark bevölkerten und etwa 650 m hoch gelegenen Hochebene der Pedroches, welche im Osten, Norden und Südwesten halbkreisförmig von schroffen Felsgebirgsketten umschlossen wird und nur im Westen mit der Hochebene von Fuente-Ovejuna und Llerena unmittelbar zusammenhängt. Jene schroffen Gebirgsketten gehören zu der Gebirgsgruppe der Hohen Mancha, die durch ihren Erzreichtum, besonders durch die Quecksilberbergwerke von Almaden (s. d.) berühmt ist und nur gegen Südosten bei dem Warmbade Fuencaliente mit der centralen Sierra in Verbindung steht. Von letzterer wird durch das tiefe Durchbruchsthal des Huelva-Ribera die westl. Sierra Morena geschieden, die aus mehrern, durch tiefe Thäler geschiedenen Knoten besteht, die, sich nach allen Seiten hin vielfach verzweigend, eine gewaltige Berggruppe von mehr als 5500 qkm Areal bilden und in den etwa 1600 m hohen Kegelbergen der Cambres de Aracena die größte Höhe des Marianischen Systems erreichen. Zwischen diesen Gebirgsknoten liegt das tief eingesenkte Becken von Aracena, welches die Quellen dreier verschiedenen hydrographischen Systemen angehörender Flüsse (eines Zuflusses des Huelva-Ribera, des Rio Tinto und des Mürtiga) enthält. über die östliche S. führt durch den Paß Puerto de Despesaperros die Eisenbahn Madrid-Manzanares-Cördoba-Sevilla, über die mittlere die Bahn Almorchon-Belmez-Cördoba, über die westliche die Bahn Mérida-Sevilla. An der Straße von Madrid nach Jaen liegt am Südfuße der Sierra, in 550 m Seehöhe, La Carolina, eine freundliche Ciudad von (1877) 7782 E., in gut angebauter, fruchtbarer Gegend, Mittelpunkt der seit 1767—76 vom Grafen Olavidéès zur Bevölkerung und Bebauung des Gebirges mit großen Kosten angelegten Sierra-Morena-Kolonien, deren Bevölkerung meist aus Deutschland stammt.