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ErdkundeBrockhaus 1882

Sierra Neväada (d. h. Schneegebirge) in Andalusien, das höchste Gebirge der Pyrenäischen Halbinsel, erhebt sich fast isoliert auf der granadinischen Bergterrasse, beinahe ringsum von Tiefen und weiten Thälern umgeben. Das Gebirge erstreckt sich von Ostnordosten gegen Westsüdwesten, hat eine Länge von 100 km, einen Umfang von 260—300 km und bedeckt eine Fläche von etwa 2750 akm. Die Haupttette erreicht in ihrer westl. Hälfte, wo ihr im Mittel 3086 m hoher Kamm sehr schmal ist, stellenweise als dachförmiger Felsen, ihre höchste Erhebung in einer Reihe meist pyramidal geformter Kegel, von denen sechs 3250 m und höher aufsteigen, am höchsten der Picacho de Veleta (3471m) und der Mulahacen (3554 m), nüchst den Alpengipfeln der höchste Berg Europas. Dieser erhabenste Teil der Sierra ist auf beiden Seiten von tiefen Thälern (Barrancos) durchfurcht, welche häufig mit bassinartigen Erweiterungen oder Cirkusthälern beginnen, in deren Schos gewöhnlich Alpenseen (Lagunas), in der Regel 2920-3250 m hoch liegen. Das großartigste Bassin dieser Art ist der an der Nordseite des Picacho befindliche, von himmelhohen Felsen umgürtete Corral de Veleta, der sogar eine 65—100 m starke, bis 2860 m herabreichende Gletschermasse, die Quelle des Xenil, enthält. Der östl. Teil der Hauptkette überschreitet nirgends die Höhe von 3080 m (im Picon de Jerez) und hat einen plateauartig erweiterten, bis 11 EKm breiten Kamm. Der höchste Paß des ganzen Gebirges, der Collado de Veleta, liegt 3300 m hoch, die Schneegrenze auf der Nordseite 2990, auf der Südseite 3100 m, die Baumgrenze 1700 m, die Getreidegrenze im Norden 1830, im Süden 2470 m, der höchste Wohnort, Hato de Qualchos, 2427 m hoch. Am meisten verzweigt sich die Sierra nach Süden, wodurch eine große Anzahl von Thälern entsteht, deren Komplex den Namen Alpujarras (s. d. führt. Die Sierra Nevada hieß im Altertum Ilipula (vaskisch: die spitzige), bei den Mauren Dschebel Schalir et-Tsalig.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 809Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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