FeedSieveking (Karl)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Sieveking (Karl), verdient durch sein staatsmännisches Wirken für die Hansestädte, besonders für Hamburg, geb. 1. Nov. 1787 zu Hamburg, machte seine jurist. Studien zu Heidelberg und Göttingen und habilitierte sich 1812 als Privatdocent an letzterer Universität. Die von ihm hier gehaltenen Vorträge über „Geschichte von Florenzy erschienen später in den „Schriften der Akademie von Hamo (Bd. 1, Hamb. 1844) mit der «Geschichte der Platonischen Akademie zu Florenzo, die bereits 1812 gedruckt war. Im März 1813 eilte er nach Hamburg zurück, wo er mit einer Sendung an Bernadotte betraut wurde. Nach dem Falle Hamburgs schloß er sich dem hanseatischen Direktorium an und wirkte mit Smidt und Perthes im Hauptquartier für die Unabhängigkeit der Hansestädte. Nach dem ersten Pariser Frieden folgte S. einer hamburger Deputation nach Paris, welche über die Herausgabe des geraubten hamburger Bankfonds zu unterhandeln beauftragt war. Im Juni 1815 erhielt er von seiner Vaterstadt den Auftrag, die dem Oberbefehl Wellingtons unterstellten hanseatischen Truppen in dessen Hauptquartier zu vertreten. S. nahm auch am zweiten Einzuge der Alliierten in Paris teil. Während seines mehrmonatlichen Aufenthalts in Paris hatte er das Glück, die fehlenden Risse des kölner Doms für Sulpiz Boisserée zu erwerben. Im Nov. 1819 wurde S. von seiner Vaterstadt als Ministerresident nach Petersburg gesandt. Im J. 1821 erfolgte seine Erwählung zum Syndikus, in welcher Stellung er vorzugsweise die auswärtigen Beziehungen Hamburgs zu vertreten hatte. Im J. 1827 ging er als außerordentlicher Gesandter nach Rio de Janeiro und schloß hier für die Hansestädte einen günstigen Handelsvertrag ab. In den J. 1831, 1835, 1839 und 1843 hatte S. die Stimme für die Freien und Hansestädte in der Bundesversammlung zu führen. Das auf seinem Grund und Boden seit 1833 erbaute Rauhe Haus (s. d.) begünstigte er stets mit reger Teilnahme. Er starb 30. Juni 1847 in Hamburg. Eine Cousine Karl S.s, Amalia S., geb. 25. Juli 1794 zu Hamburg, gest. 1. April 1859, hat sich durch ihre humanitären und gemeinnützigen Bestrebungen einen geachteten Namen erworben. Der von ihr 1832 in Hamburg begründete weibliche Verein für Armen⸗ und Krankenpflege ist das Muster für viele derartige Vereine in Deutschland, der Schweiz, Dänemark, Schweden und selbst in Frankreich und England geworden. In ihren Jahresberichten (Hamb. 1833—58) pflegte sie soziale Fragen in lehrreicher und anziehender Weise zu behandeln. Auch veröffentlichte sie Betrachtungen über einzelne Abschnitte der Heiligen Schriftv(2 Bde., Hamb. 1822—26) und «Unterhaltungen über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrifto (Hamb. 1855). Nach ihrem Tode erschienen Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Amalie S. (Hamb. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 809Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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