Sievers (Jakob Johann, Graf, russ. Jakob Jefimowits ch), russ. Staatsmann, geb. 19.(30.) Aug. 1731 in Wesenberg in Eftland, kam 1748 als Sekretär des russ. Gesandten Baron Korff nach Kopenhagen, wo er ein Jahr blieb. Hierauf verweilte er sieben Jahre in London. Als Legationssekretär kehrte er 1755 nach Bauenhof in Livland, auf das Gut seines Vaters, zurück, wo er 1750 von der Kaiserin Elisabeth zum Premiermajor und Oberquartiermeister der Armee unter Feldmarschall Grafen Apraxin in Preußen ernannt wurde. Nach der Schlacht bei Zorndorf brachte er den Abschluß des Kartells zu Bütow in Pommern über die Auswechselung russ. und preuß. Gefangener zu Stande. Zum Oberstlieutenant und Generalquartiermeister ernannt, lebte er in Neapel bis zur Thronbesteigung Peters III., worauf er sich nach Bauenhof zurückzog. Von Katharina II. 1764 zum Gouverneur von Nowgorod ernannt, führte er zunächst den Kartoffelbau, 1765 ein nach europ. Begriffen geregeltes Postwesen ein und drang auf Abschaffung der Tortur im Gerichtswesen, welche sodann laut Ukas vom 11. Nov. 1767 für ganz Rußland abgeschafft wurde. Darauf legte er der Kaiserin seinen Plan der Statthalterschaftsverfassung vor. Zum Generalgouverneur von Nowgorod, Twer und Pskow ernannt, machte er 1775 mit dem Gouvernement Twer den Versuch der Einführung der Statthalterschaft, worauf die sämtlichen Gouvernements Rußlands nachfolgten. In seinen Gouvernements erbaute S. an wichtigen Punkten aus Dörfern viele neue Städte. Dem Einfluß Potemkins weichend, nahm S. 1781 seine Entlassung, worauf Katharina ihn 1782 zum Wirkl. Geheimrat ernannte. Nach Potemkins Tode ernannte ihn Katharina zum Gesandten in Polen, wo er 1793 die zweite und 1795 die dritte Teilung Polens einleitete. Von Kaiser Paul wurde S. 1796 zum Senator und Mitglied des Conseil, wie 1797 zum Chef des neuen Departements der Wasserkommunikation über das gesamte Reich ernannt. Nachdem er 7. (19.) April 1798 mit seinen beiden Brüdern und deren Descendenz in den russ. Reichsgrafenstand erhoben worden war, bat er 7. März 1800 um seinen Abschied, den er 1. Juni erhielt, und zog sich nach Bauenhof zurück, wo er 11. (23.) Juli 1808 starb. Ihm zu Ehren nannte Alexander J. den unter vielen andern von S. angelegten Kanal, der die Msta mit der Twerza vereinigt, um die Wolga mit dem Ladogasee zu verbinden, den Sievers-Kanal. Vgl. Blum, «Ein russ. Staatsmann. Des Grafen Jakob Johann S. Denkwürdigkeiten zur Geschichte Rußlandso (4Bde.,