Sigismund II. August, König von Polen, 1548— 72, des vorigen einziger Sohn, geb. 1. Aug. 1520, wurde noch bei Lebzeiten seines Vaters 1529 zum König gewählt und 1530 gekrönt, erhielt auch bereits 1544 die Regierung von Litauen. Bald nach seiner Thronbesteigung machte er die von ihm mit Barbara Radziwill heimlich eingegangene Ehe bekannt und hielt sie auch trotz der Forderung des von seiner Mutter, Bona Sforza, aufgehetzten Reichstags, dieselbe zu lösen, aufrecht. Nachdem Barbara 1551 gestorben, verließ Bona, allgemein verhaßt, 1555 Polen und starb 1557 zu Bari in Italien, von einem Geliebten vergiftet. Vorher hatte sie dem König Philipp II. von Spanien 320000 Dukaten geliehen, die Polen nie zurückerhielt. (Vgl. Kantecki, «Neapolit. Summeno, deutsch von Löwenfeld, Pos. 1882.) Die Reformation drang unter S. unaufhaltsam in Polen ein, und der König selbst war nicht abgeneigt, die kath. Kirche zu verlassen. Auch gewährte er 1572 auf dem warschauer Reichstage allgemeine Religionsfreiheit. Als in dem Kriege zwischen dem Heermeister der Schwertbrüder, Wilh. Fürstenberg, und dem Erzbischof von Riga der letztere in Kokenhausen belagert wurde, unternahm S. zum Schutze des Erzbischofs einen Zug nach Livland, der ein Bündnis zwischen Polen und Livland zur Folge hatte. Als darauf Iwan II. Wassiljewitsch in Livland einfiel und Fürstenberg umkam, begab sich dessen Nachfolger Kettler unter des Königs S. Schutz und trat Livland an Polen ab, während er von Polen Kurland und Semgallen als weltliches Herzogtum und Lehn erhielt. Auf dem Reichstage zu Lublin 1569 gelang es S., Litauen mit Polen vollständig zu vereinigen; zugleich wurden Preußen, Volhynien, Podolien und die Ukraine Polen einverleibt. starb 7. Juli 1572 zu Knyszyn ohne Nachkommen, mit ihm erlosch der jagellonische Stamm. Er war ein für das Wohl seines Volkes unermüdlicher, gerechter, geistvoller Fürst, doch verschwenderisch und ausschweifend. Kräftig hielt er den Adel in Schranken, und als diese mit seinem Tode fielen, begann der Verfall Polens. Er beförderte die Wissenschaften; unter seiner Regierung trat die glänzendste Epoche der poln. Litteratur ein.