FeedSigonius (Carlo)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Sigonius (Carlo), ital. Humanist des 16.Jahrh., geb. 1523 zu Modena, trat, nachdem er seine Studien zu Bologna und Pavia vollendet, 1545 in die Dienste des Kardinals Marinus Grimanus, Patriarchen von Aquileja, wurde 1546 in Modena Lehrer der griech. Sprache und übernahm 1552 den Lehrstuhl der alten Litteratur zu Venedig, 1559 in Padua und 1563 in Bologna, ging aber später in seine Vaterstadt zurück und starb auf seinem Landgütchen bei Modena 10. Aug. 1584. Unter seinen histor. Werken erlangten die «Historiae de occidentali imperiop (Basel 1579), die Historiae de regno Italiaco (Hanau 1613) und die Fasti consulareso (Vened. 1555) einen hohen Ruf. Auch schrieb er mehrere Abhandlungen zur Altertumskunde, die im Thesauruso von Grävius enthalten sind, darunter De Atheniensium republicas (Vened. 1564); ferner Anmerkungen zu röm. Schriftstellern, vorzüglich zu Livius und zu Ciceros „Briefenv, und Emendationeso (Vened. 1557). Großes Aufsehen erregte er durch eine litterarische Mystifikation, indem er unter Ciceros Namen die 4„Consolatio super Tulliae filiae obituo (Vened. 1583) zuerst bekannt machte und viele gelehrte Männer seiner Zeit damit täuschte. Eine Ausgabe seiner sämtlichen Schriften, in denen er sich als einen vorzüglichen lat. Stilisten bekundet, besorgte Argelatus (6 Bde., Mail. 1732—37). Vgl. Franciosi, Della vita e delle opere di C. Sigonio (Vened. 1873); Krebs, Karl S., einer der größten Humanisten des 16. Jahrh.»(Frankf. 1840). Ein Verzeichnis seiner zahlreichen Schriften findet man bei Krebs als Anhang zu seiner Schrift.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 816Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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