Sind, Fluß, s. Indus. „Sind oder Sindh, engl. Sinde oder Seinde, die westlichste Division der brit.ind. Präsidentschaft Bombay, nimmt mit den fünf Kollektoraten Hyderabad, Karratschi, Schikarpur, Thar und Parkar, sowie oberer Sindgrenzdistrikt, das Delta und untere Stromgebiet des Indus ein und wird westlich und nordwestlich von Balutschistan, nördlich von dem Pendschab, östlich von Radschputana und südlich von dem Ruan genannten großen, aber untiefen Busen des Arabischen Meeres begrenzt. Die Bevölkerung betrug 1881 auf 124351 qkm 2413823 meist mohammed. E. Wie in AÄgypten ist auch hier das Flachland mittels eines mächtigen Stroms, des Indus, der sich mit vielen Armen ins Meer ergießt, in zwei Hälften geteilt, bis wo Sandwüsten das östliche, ein Geschiebe kahler Berge das westl. Gebiet abgrenzen. Dem Indus oder Sindhu verdankt das Land seinen Namen, seine Fruchtbarkeit und sein Leben. Der Strom beginnt im April zu schwellen, überschwemmt im Juni die Tiefebenen und tritt Anfang September wieder in sein Bett zurück. Das Klima ist äußerst schwül und trocken. In Hyderabad ist die mittlere Temperatur der sechs Sommermonate 36 C., und das Wasser des Indus hat dann 31,25 bis 33,75 C. Wärme. In Nord⸗ oder Obersind ist der Sommer sogar noch heißer als in Süd- oder Untersind. Regen fällt sehr wenig. Zu Larkhana in Obersind regnet es mitunter drei Jahre nicht. Zu andern Zeiten sind dagegen die Regengüsse heftig und verursachen Krankheiten. In seinen Bodenerzeugnissen stimmt S. mit den ebenen Teilen des nördl. Ostindien (s. d.) überein. Trauben und Obst von nur mittelmäßiger Güte gibt es in Fülle. Allgemein findet man hier die Dattelpalme, welche auch zur Bereitung eines geistigen Getränks benutzt wird. Viele Dromedare sowohl zum Gebrauch als Lasttiere als ihrer Milch und Haare wegen, Rinder der Butter (Ghi) und der Häute wegen, die beide wichtige Handelsartikel bilden, auch viele Schafe und Ziegen der Wolle, der Milch und des Fleisches wegen werden in S. gezogen. Die Pferde und Esel sind klein, die Maultiere groß und vortrefflich. Ein Hauptnahrungsmittel der geringern Klasse sind Fische. Die Bevölkerung, aus einem Gemisch von ursprünglichen Sindern (Hindu des Indus), Dschat und Balutschen bestehend, ist im allgemeinen ihrer Unwissenheit und Sittenlosigkeit wegen verrufen. Die Balutschen, gleich wie die andern Mohammedaner in S., sind fanatische Sunniten. Derwische, Fakire und andere mohammed. Bettelgeistliche durchziehen zum Nachteil der Bevölkerung in großen Scharen unter allerlei Namen das Land. Als solche Bettelmönche kamen gegen die Mitte des 15. Jahrh. aus Balutschistan nach S. auch die Kalora, die ihren Stammbaum auf die abbasidischen Kalifen zurückführen, jedoch zum Dschatvolke gehören. Diese geistliche Brüderschaft wurde von dem einfältigen Volke unterhalten, endlich aber von den Sindern vertrieben. Mit Erlaubnis der Regierung zu Delhi kehrten sie aber wieder nach S. zurück und wurden sogar 1735 mit ansehnlichen Ländereien beschenkt. Nicht lange nachher erhob der Großmogul einen Kalora, Miau Nur Muhammed, unter der Verpflichtung einer jährlichen Tributzahlung, zum erblichen Lehnsherrn des ganzen Fürstentums S. Die Kalora vereinigten nun die ganze weltliche und geistliche Macht. Ihr l Scepter lastete aber so furchtbar auf den Hindu, daß diese scharenweise die Heimat verließen und meist nach Katsch flüchteten. Dem Gholam-Schah, ältestem Sohne des Nur Muhammed, wurde durch Nadir-Schah von Persien ein Teil des Erbes als pers. Lehn zurückgegeben. Bei dem Tode von Nadir-Schah erkannte Gholam-Schah die Oberhoheit der afghanischen Durani an, wurde aber bald nachher von einem seiner züngern Brüder der Herrschaft beraubt. Dieser suchte die Macht seines Hauses auszudehnen und brachte das größte Elend über die Radschputen und Hindu von Katsch. Sein Nachfolger ließ Mir Bairam, Chan des Balutschenstammes Talpur, hinrichten. Es erhoben sich deshalb die Talpur, und nach mehrjährigem Kämpfen und Morden mußte Abdal-Nabi, der letzte Kalora, nach Balutschistan fliehen. Sein Lehnsherr in Kabul schickte zur Vertreibung der Talpur ein Heer ab; allein die Talpur kehrten zurück und wußten sich endlich die Anerkennung als rechtmäßige Gebieter von S. gegen einen jährlichen Zins von 12 Lakh Rupien zu verschaffen. Mir Fateh-Chan, der erste Lehnsfürst aus dem Stamme der Talpur, erhob 1786 seine drei jüngern Brüder zu Mitregenten, und alle vier nannten sich Emir (Amir) oder Fürsten von S. Als ihre Nachkommen 1839 die mit den Engländern abgeschlossenen Verträge brachen, entwickelte sich daraus Anfang 1843 ein Krieg, in welchem General Sir Charles Napier durch seinen glänzenden Sieg bei Miami 17. Febr. das Schicksal des Landes entschied. Die Emire ergaben sich, erhielten Jahrgehalte und ihr Gebiet wurde als unmittelbarer Besitz der Briten der Präsidentschaft Bombay einverleibt. Das Land nahm nun unter brit. Verwaltung einen ungemeinen Aufschwung. Die Hauptstadt der Provinz ist Hyderabad (s. d.), der Haupthafen die rasch aufblühende Seestadt Karratschi s. d.). Der Indus wird von Dampfbooten befahren und das Land von der Scindebahn zwischen Karratschi und Hyderabad, dem Indus-Valley-Railway zwischen Hyderabad und Multan durchschnitten, steht auch durch die sich letzterer anschließende Peschawar-Lahore-Bahn mit dem ganzen übrigen Eisenbahnnetze in Britisch-Indien in Verbindung.