FeedSintflut
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Sintflut, meist fälschlich Sündflut genannt, vom altdeutschen Worte Sintfluot, d. h. große Flut. Die Bezeichnung «Sündfluto erklärt sich aus der biblischen Erzählung, welche die Flut zur Zeit des Noah als eine Strafe für die Sünden der Menschen betrachtet und mit Ausnahme des Noah und seiner Familie, die sich auf Gottes Geheiß in die Arche retteten, das ganze Menschengeschlecht untergehen läßt. Ahnliche Sagen von ungeheuern lüberschwemmungen finden sich bei sehr vielen Völkern des Altertums; so bei den Griechen die Sage von der Deukalionischen Flut, bei den Indern, den Persern, den Chinesen, den Völkern des nördl. Asien; namentlich erinnert an die biblische Sage die der Chaldäer. Letztere, längst aus den Fragmenten des Berosus bekannt, ist jetzt durch eine Episode des Istabar-Epos bekannt geworden, die der Engländer George Smith zuerst auffand. Ihr Held heißt im griechischen Texte Xisuthrus (s. d.), im Assyrischen Hasisuadra oder Adrahasis. Daß übrigens die Annahme einer allgemeinen überflutung der Erdoberfläche, wie sie in allen jenen Sagen berichtet wird, nur der populären Vorstellung angehört, kann bei dem jetzigen Stande der geol. Forschung als ausgemacht gelten. Vgl. Diestel, «Die S. und die Flutsagen des Altertums» (Berl. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 844Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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