FeedSir-Darja oder Syr-Darja
ErdkundeBrockhaus 1882

Sir-Darja oder Syr-Darja, der Jaxartes der Alten, ein Fluß, der in Ost-Hochasien am Thianschan oder Himmelsgebirge entspringt, das russ. Ferghanagebiet in seinem Oberlaufe, das russ. Sir-Darjagebiet im Unterlaufe durchzieht und in den Aralsee als Zwillingsstrom des Amu (s. d.) oder Amu-⸗Darja (Orus) mündet. An den südl. Nebenflüssen des Oberlaufs liegen die Städte Andydschan, Osch, Margilan und Khokand, am linken Ufer des Flusses selbst Khodschend. Der Fluß macht unzählige Windungen und ist 2077 km lang, bis 750 mbreit und bis 11m tief. Im semelhe nach der Schneeschmelze überschwemmt er seine Ufer, sodaß das Hochwasser und der gewöhnliche Wasserstand um 2—3 m differieren. Auf der ganzen Strecke von Baildyr-Tugai (42 nördl. Br.) bis zum Fort Perowsky (44 51 nördl. Br.) finden sich nur die Auls der nomadisierenden Kirgisen, die etwas Ackerbau treiben. In der Nähe des rechten Ufers liegen die Ruinen von Otrar (42 51 nördl. Br.), wo Tamerlan starb. Um die Reste ziehen sich die Spuren eines großartigen Kanalnetzes, welches beweist, daß die Ufer ehemals dicht bevölkert waren. Vom Fort Perowski abwärts sind die Ufer mehr belebt von zahlreichen Horden der Kirgisen. Dort zeigen sich auch weite Saatfelder und Gemüsegärten, und neuerdings baut man auch mit Erfolg Wein, Baumwolle und Ricinus. Nahe der Mündung liegt das Fort Aralsk (1847 erbaut), die erste feste Position der Russen am Flusse. Seit neuester Zeit hebt sich der Verkehr; auc) ist eine Dampfschifffahrt ins Leben getreten, die durch in der Nähe des Stroms aufgefundene Kohlenlager unterstützt wird. Das russ. Gebiet Sir-Darja, ein Teil des Generalgouvernements Turkestan, liegt zu beiden Seiten des gleichnamigen Flusses und zählt auf 429 930, àakm (1884) 1239 659 E., worunter etwa 110000 Tadschiks, 500000 Kirgisen, 170000 Usbeken, 140000 Kuramen (Mischung von Kirgisen mit Tadschiks und Usbeken) und 4000 Turkmenen. Hauptort ist Taschkend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 846Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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