Sixtus V., als Regent und Staatsmann der größte unter den Päpsten der drei letzten Jahrhunderte, hieß eigentlich Felir Peretti und war 13. Dez. 1521 zu Grottamare unweit Montalto in der Mark Ancona geboren. Im J. 1534 wurde er Franziskaner und erwarb sich bald ausgezeichnete Kennknisse in der scholastischen Philosophie und Theologie und in der röm. Litteratur. Er lehrte seit 1544 das kanonische Recht zu Rimini, seit 1546 zu Siena und wurde 1548 Priester, Doktor der Theologie und Regent der Klosterschule zu Siena. Seit 1551 in Rom, glänzte er auf der Kanzel, so- wie durch fromme Werke. Im J. 1556 Vorsteher der Franziskanerschule und 1557 Generalinquisitor zu Venedig, kehrte er 1560 nach Rom zurück, wo er zum Konsultor des Heiligen Offiziums und Prosessor an der Universität ernannt wurde und sein Orden ihn zum Generalprokurator wählte. Im 1565 begleitete er den päpstl. Legaten als Gesandtschaftstheolog nach Spanien und erwarb sich daselbst durch seine Predigten die Achtung Philipps II. nd der Großen. Pius V. erhob ihn zum Generalvikar des Franziskanerordens, zum Bischofe von Sta.⸗Agata de' Goti und zu seinem Beichtvater. In diesen Amtern drang er auf Abstellung der unter den Franziskanern eingerissenen Unordnun. gen, suchte auch die Sitten der Geistlichkeit seines Sprengels zu verbessern. Schon 1570 wurde er Kardinal und nannte sich nun Montalto. Unter dem Nachfolger von Pius, dem ihm wenig günstie gesinnten Gregor XIII., sah er sich zu jahrelangen Stillleben in seiner prachtvollen Villa auf den Csquilin verdammt, und als er dann 1585 nack dem Tode Gregors einstimmig zum Papst gewähl wurde, trat er mit unerwarteter Kraft und Maje stät hervor. Energisch stellte er die Ordnung in Kirchenstaate wieder her, vernichtete die Banditen regulierte die Finanzen (dohne Strenge und vie Geld läßt sich nicht regieren »). Sodann beschäftig ten ihn große Bauten in Rom. Die nach ihm be nannte Wasserleitung (Aqua kelice), der groß Obelisk auf dem Platze vor der Peterskirche, die prächtige Kuppel der Peterskirche das Spital an dem Tiber sind Denkmäler seiner Regierung. Bleibenden Ruhm erwarb er sich durch die tiftung der vatikanischen Bibliothek, für die er ein prachtvolles Gebäude und eine eigene Druckerei für die Herausgabe der Kirchenschriftsteller einrichtete. Aus dieser Druckerei gingen seine Ausgabe der Werke des lehr Ambrosius und die von ihm besorgte, freilich sehr fehlerhafte Ausgabe der Vulgata hervor. Zu Fermo im Kirchenstaate gründete er eine Universität, zu Rom das Kollegium des heil. Bonaventura für Me Franziskaner und zu Bologna das Kollegium Montalto. Die Kosten seiner ofhaltung schränkte er ein und bewies große Mäßigung in der Sorge für seine Verwandten. Zur Verwaltung der Regierungs⸗ und Kirchenangelegenheiten setzte er 15 Kongregationen aus Kardinälen und andern Beamten nieder. Die Anzahl der Kardinäle setzte er auf 70 fest, und alle Bischöfe der kath. Christenheit verpflichtete er, innerhalb drei, fünf oder deor Jahren einmal nach Rom zu kommen. In theol. Streitigkeiten beobachtete S. eine weise Neutralität. Desto eifriger mischte er sich in die polit. Händel seiner Zeit. Der Plan, Deutschland in die Abhängigkeit vom röm. Stuhle zurückzubringen, schlug freilich fehl; doch wußte er den Kaiser Rudolf II. zur Verfolgung der Ketzer zu bewegen. Mit allen Regenten seiner Zeit blieb er in leidlichem Vernehmen, suchte aber einen durch den andern zu schwächen und von sich abhängig zu machen. Dabei beschäftigten ihn Entwürfe zu Vergrößerung seiner landesherrlichen wie kirchlichen Macht. Bei seinem Eingreifen in die Zeitereignisse und bei seiner Gewohnheit, als Landesherr durchaus selbst zu regieren, mußte er sich der rastlosesten Thätigkeit hingeben. Durch ein ausgedehntes System der Spionage setzte er sich von allem in Kenntnis. Als er 27. Aug. 1590 starb, riß das durch Auflagen erbitterte und von den Jesuiten aufgestachelte Volk die ihm vom Senate auf dem Kapitol errichtete Bildsäule nieder. Vgl. Lorentz, «Sixtus V. und seine Zeit» (Mainz 1852); Dumesnil, Histoire de Sixte-Quinto (Par. 1869); Hübner, Sixte-Quinto (3 Bde., Par. 1870; deutsche Ausg., 2 Bde., Lpz. 1871).