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GeschichteBrockhaus 1882

Bonaventura, eigentlich Johann von Filogen, geb. 1221 zu Bagnareag im Toscanischen, ward 1248 Franziskanermönch, 1253 ** der Theoloie zu Paris, 1256 General seines Ordens, den er mit großer Umsicht leitete, 1273 Kardinal, dann päpstl. Legat auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo er 15. Juli 1274 an den Folgen seiner ascetischen Strenge starb. Wegen seines unbescholtenen Wandels, seiner großen Gelehrsamkeit und einiger ihm zugeschriebenen Wunderthaten genoß er schon während seines Lebens vorzügliche Verehrung. Sixtus IV. versetzte ihn 1482 unter die Heiligen, und Sixtus V. zählte ihn 1587 als Doctor séraphicus den größten Kirchenlehrern als den sechsten im Range bei. Die Franziskaner stellen ihn als ihren größten Gelehrten dem scholastischen Helden der Dominikaner, Thomas von Aquino, entgegen. Lyon, das seine Gebeine besitzt, wählte ihn zum Schriten istd Ein Ande Teil seiner zahlreichen Schriften ist der 9935 und Veredelung seines Ordens gewidmet. Auch als Beförderer des Mariendienstes, als Apologet des Cölibats, der Transsubstantiation, der Kommunion unter Einer Gestalt und anderer Satbungen des Mittelalters diente er der röm. Kirche, deren Lehren und Gebräuche er in seinem Kommentar zu den „Sententiaer des Petrus Lombardus und in vielen exegetischen und ascetischen sachte. 2 auch auf philos. Weise zu unterstützen suchte. Die merkwürdigsten derselben, das Breviloquiump und «Centiloquiumo, sind eigentlich Handbücher der Dogmatik. Sein Bestreben, die Philosophie zur Unterstützung des Kirchenglaubens anzuwenden, und sein mystischer Zug machen ihn oft dunkel. Ihm ist die ud die Ae das Ziel aller Kunst und Wissenschaft, und die Vereinigung mit Gott, zu der die Liebe durch sechs Stufen oder Grade führt, das höchste Gut, wie er dies in dem Itinerarium mentis in Deumo und in der Reductio artium in uchen Ebeol darstellt. Zur Begründung der mystischen Theologie als Wisenschaft hat er mehr Eane⸗ als irgend einer der frühern Theologen. Seine (Biblia pauperums entstellt durch alleder Bieel. Doch Deutungen den einfachen Inhalt der Bihel. Doch zeichnet er sich im allgemeinen durch Vermeidung unnützer Spitzfindigkeiten, Wärme des religiösen Gefühls und praktische Richtung vor andern Scholastikern aus, wenn er gleich an Gelehrsamkeit und spekulativer Begabung hinter Thomas von I zurücksteht. Seine Werke erschienen am vollständigsten zu Rom (8 Bde. 1588-96); unter ihnen finden sich aber viele unechte Schriften. Vgl. Hollenberg, «Studien zu B. (Berl. 1862); Richard, Etude sur le mysticisme spéculatif de saint B.5 (Par. 1873); Borgognoni, WLe dottrine filosofiche di B.5 (Rom 1874); Vicenza, Der heilige B.»(aus dem Italienischen übersetzt von Jeiler, Paderb. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 310Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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