FeedTschudi (Agidius oder Gilg)
ReligionBrockhaus 1882

Tschudi (Agidius oder Gilg), der Vater der schweiz. Geschichtschreibung, geb. zu Glarus 1505, studierte in Basel, Wien und Paris, bereiste dann die Schweiz und Italien und betrat seine Laufbahn in seiner Heimat unter den Stürmen der Reformation. Aus Überzeugung dem kath. Glauben treu bleibend, wurde er 1529 Landvogt zu Sargans, 1532 Obervogt in Rorschach, 1533 Landvogt zu Baden, und wirkte 1536 —44 als Hauptmann im franz. Kriegsdienst. Dann wurde er 1549 abermals Landvogt in Baden, 1558 Landammann von Glarus. Auf seinen Reisen und Landvogteien iöt, sind unter Cz aufzusuchen. durchforschte er mit staunenswertem Fleiß die Violiotheten und Archive der Klöster, Stifte und des Bundes, studierte röm. Inschriften und Topographie und sammelte ein ungeheueres histor. Material an. Er war einer der hervorragendsten und gelehrtesten Theologen seiner Zeit und schlichtete 1554 den Streit über die Reformierten von Locarno, 1559 den des Abts von St. Gallen mit seinen Unterthanen, ging 1559 als Gesandter der Eidgenossenschaft zu Kaiser Ferdinand I. nach Augsburg und bewog 1562 die kath. Stände zur Beschickung des Konzils von Trient. Wegen seiner Unterstützung kath. Interessen mußte er 1562 aus dem Lande weichen, und er benutzte dies zum Studium der Bibliothek und der Archive von Einsiedeln. Nachdem er 1564 auf Bitten seiner Landsleute zurückgekehrt, wurde er abermals Schiedsrichter zwischen Stift und Stadt St. Gallen und widmete sich dann bis zu seinem Tode, der 28. Febr. 1572 erfolgte, der Ausarbeitung seiner Werke. Bei seinen Lebzeiten erschien nur Die uralt wahrhaftig alpisch Rhetiap (Bas. 1538). Nach seinem Tode gab seine berühmte »Helvetische Chronike (von dem J. 1000 bis 1470) J. R. Iselin (2 Bde. „Bas. 1734 — 36) heraus. Ferner erschien &Hauptschlüssel zu verschiedenen Altertümerno, bekannter unter dem Namen 4Gallia comatas (herausgeg. von Gallati, Konstanz 1738) und vieles andere. Unter seinen nichtgedruckten Schriften, die sich auf über 100 belaufen, sind seine «Beschreibung des Kappelertriegs v, seine Helvetiorum prisca libertas v, die Iistoria Alemannorumo, die Chronik von Einsiedelno und das Illuminierte Wappenbuche von ungefähr 4000 Wappen die wertvollsten. Daneben verfaßte er eine aupbe Zahl von theolog., histor., geograph., archäolog., numismat. und herald., zum Teil sehr umfangreichen und wertvollen Schriften. Viele sind im Staatsarchiv des Kantons St. Gallen aufbewahrt. Auch rettete T. durch seine Abschrift zahlreiche histor. Urkunden, röm. Inschriften, Urbarien vor dem Untergang und besaß eine große Sammlung. wertvoller histor. Dokumente. Vgl. Fuchs, «Agidius T.s Leben und Schriftenv (2 Bde., St. Gallen 1805); Vogel, «Agidius T. als Staatsmann und Geschichtschreiber» (Zür. 1856).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 885Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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