FeedSklavenstaat
Recht & StaatBrockhaus 1882

Sklavenstaat in die Union (1845). Die Erbitterung wurde dadurch wieder genährt, daß die unbestimmten Grenzen des neu annektierten Staates die Veranlassung zum Kriege mit Mexiko gaben, in welchem neue weite Gebiete erworben wurden, welche der Süden gleichfalls der S. geöffnet zu sehen verlangte. Schon vor Beendigung des Kriegs hatte der Abgeordnete Wilmot von Pennsylvanien 1847 einen Antrag gestellt, das sog. Wilmot-Proviso, welches überhaupt die Zulassung der S. bei neuen Staatenbildungen verbieten wollte. Der Senat verwarf dieses Proviso, aber dasselbe blieb fortan das Stichwort der sog. Freesoil⸗ (Freiboden-Partei. Als Californien 1850, während es seinen Eintritt in die Union betrieb, die S. von seinen Grenzen ausschloß, drohte der aufs neue entbrennende Streit zum Bruch zu führen, bis er endlich, namentlich infolge von Clays Vermittelung, durch das sog. Kompromiß von 1850 beigelegt wurde. Die wesentlichen Bedingungen desselben, soweit sie die S. betreffen, waren folgende: Grenzregulierung von Texas im Sinne des Südens nebst übernahme von 10 Mill. Doll. der texanischen Schuld, wogegen Texas seine angeblichen Ansprüche auf die Vereinigten Staaten aufgibt, und event. Teilung desselben in vier Sklavenstaaten, Errichtung von Territorialregierungen für Neumexiko und Utah, die ihrerzeit mit oder ohne S. aufgenommen werden sollen, verschärftes Gesetz für Einfangung flüchtiger Sklaven und deren Auslieferung durch Bundesbeamte, Aufnahme von Californien mit seiner die S. ausschließenden Verfassung, endlich aber Unterdrückung des Sklavenmarktes in der Bundeshauptstadt. Am gehässigsten war das Gesetz gegen flüchtige Sklaven. Viele nördl. Staaten bestritten seine Verfassungsmäßigkeit und erließen für sich sog. Personal liberty laws, welche die Auslieferung flüchtiger Sklaven verboten. Als endlich 1854 die Territorien Nebraska und Kansas organisiert werden sollten, welche rößtenteils nördlich vom 36. Breitengrade liegen, etzte die Sklavenpartei (unter Führung des Senators Douglas) die sog. Nebraska-Bill durch, welche das Missouri-Kompromiß aufhob und den Ansiedlern aller neuen Territorien freistellte, ob sie S. einführen wollten oder nicht (Squatter-Sovereignty). Mehrjährige blutige Kämpfe der Sklavenhalter und Freibodenleute um den Besitz von Kansas waren die Folgen davon. Doch trat Kansas endlich (1861) als Freistaat ein. Diese Nebraska-Bill war die nächste Veranlassung zur Gründung der sog. Republikanischen Partei, welche den Ausschluß der S. aus allen Territorien und Einschränkung derselben auf ihre bisherigen Grenzen als Grundsatz ihrer Nationalpolitik aufstellte. Der endliche Sieg dieser Freibodenpartei in der Präsidentenwahl von 1860 durch die Wahl Lincolns führte zum offenen Aufstande von elf südl. Sklavenstaaten, die ihre Lostrennung (Secession) von der Union und Gründung einer selbständigen Republik auf Basis der Negersklaverei proklamierten. In dem darauffolgenden vierjährigen Bürgerkriege (1861—65) zauderte die republikanische Bundesregierung noch längere Zeit, die Existenz der S. selbst anzugreifen. Sie kämpfte anfangs nur für territoriale Wiederherstellung der ganzen Union, unbeschadet der Rechte der Sklavenhalter innerhalb der secedierten Staaten. Aber bald sah sie sich durch die Kriegsnotwendigkeit gezwungen, weiter zu gehen. Zuerst behielt sie (Okt. 1861) alle Negersklaven, welche von den Seeessionisten entflohen und Schutz suchend zu der Bundesarmee kamen, und benutzte dieselben als Arbeiter. Später bewaffnete sie solche Negerflüchtlinge und reihte sie in die Bundesarmee ein. Sodann hob sie 23. Juni 1864 das Fugitive slave law auf. Endlich erließ Präsident Lincoln 22. Sept. 1862 seine Emancipations-Proklamation, durch welche er sämtliche Sklaven in allen insurgierten Staaten vom 1. Jan. 1863 an für frei erklärte. Gegen Ende des Kriegs erließ der Kongreß ein Amendement zur Konstitution der Vereinigten Staaten, welches die S. in der ganzen Republik für immer aufhob, und welches nach erfolgter Ratifikation durch das Volk dem Grundgesetze der Republik einverleibt wurde. Die 1865 erfolgte vollständige Niederlage der Secession brachte diese Dekrete im ganzen Lande zur thatsächlichen Geltung und machte die Republik endlich zu einem wirklichen Freistaate. Seitdem ließ es sich der Kongreß angelegen sein, die nominelle Emancipation durch wirksame Gesetze praktisch zu vervollständigen und ihr einen vollen Inhalt zu geben. Es geschah dies zunächst durch die Freedmen's-Bureau-Bill, welche die Zreigelassenen und ihre erworbenen Rechte unter den speziellen Schutz von Bundesbeamten stellt; ferner durch die Civil-Rights-Bill, welche die Freigelassenen zu Bürgern der Vereinigten Staaten macht und ihnen alle bürgerlichen Rechte erteilt; sodann durch die Rekonstruktions-Bill, welche allen Negern in den ehemaligen rebellischen Staaten auch alle polit. Rechte (Stimmrecht und Wählbarkeit) garantiert. Diese Ausführungsgesetze zur Emancipation stießen aber auf heftigen Widerstand von seiten des Präsidenten Johnson, der mit Hilfe der sog. demokratischen Partei deren Vollzug zu vereiteln und die Emancipation auf eine bloß nominelle zurückzuführen suchte, indessen schließlich der geschlossenen Opposition des Kongresses unterlag und im Mai 1868 nur mit Mühe der Absetzung (Impeachment-Prozeß) entging. Diese verschiedenen Maßregeln bilden jetzt als 13. Amendement, veröffentlicht (nach der gesetzlich erforderlichen Genehmigung durch wenigstens drei Viertel der Bundesstaaten) 18. Dez. 1865, als 14. Amendement, veröffentlicht 2. März 1867, und als 15. Amendement, veröffentlicht 30. März 1870, einen integrierenden Teil der Landesverfassung. Die Aufhebung der S. in den Vereinigten Staaten hat auch für alle andern Länder Amerikas, wo S. noch bestand, wichtige Folgen gehabt. Brasilien hatte zwar noch die Sklaveneinfuhr verboten, indessen entschied es sich erst nach langem Bedenken und Schwankungen 1871 für eine allmähliche Abschaffung der S. Während die seit Annahme des Gesetzes vom 27. Sept. 1871 geborenen Kinder also unbedingt frei sind, erlangen die damals vorhandenen Sklaven nur unter gewissen Bedinungen und in einem bestimmten Alter ihre Freiheit Dänemark, Schweden und die Niederlande haben die S. auf ihren westind. Kolonien in neuerer Zeit gänzlich abgeschafft. Spanien that 1873 dasselbe in und für Portorico. Auf der span. Insel Cuba hatte die S. noch lange einen starken Halt. Die Insel zählte 1861 603 046 Sklaven und freie Farbige. Obwohl die Sklaveneinfuhr aus Afrika durch Verträge der span. Regierung mit andern Mächten längst verboten war, so wurde dieselbe doch in sehr starkem Maße fortgesetzt, solange die Kreuzer der Vereinigten Staaten nicht ernstlich geneigt waren, den cubanischen Sklavenschiffen Hindernisse in den Weg zu legen. Erst durch das Gesetz vom 8. Mai 1886 wurde die S. in Cuba gänzlich aufgehoben. Infolge der Ereignisse in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Brasilien hat der überseeische Sklavenhandel fast ganz aufgehört, da der Hauptexport der Sklaven aus Afrika nach Amerika ging. Nur mohammed. Händler Ostafrikas führen jährlich noch ungefähr 50000 nach asiat. Ländern. Livingstone berechnet, daß von 350000 im Innern Afrikas eingefangenen Sklaven höchstens 80000 die Küste erreichen. Der 1873 von der engl. Regierung ausgesandte Sir Bartle Frere hat viel für die Einschränkung und allmähliche Einstellung des Sklavenhandels an der Südostküste gethan, und ebenso hat der engl. Reisende Sir Samuel Baker als Statthalter und Feldherr des Vizekönigs von Agypten den Sklavenhandel im nordöstl. Afrika bedeutend eingeengt. In Madagaskar setzte England 1877 die Abschaffung der S. durch. Litteratur. Clarkson, Essay on slavery and commeree of humanspeciesv(Lond. 1786); Buxton, „Der afrik. Sklavenhandel und seine Abhilfer deutsch von Julius, Lpz. 1841); Hüne, „Darstellung aller Veränderungen des Negerhandelso(Gött. 1820); F. L. Olmsted, & journey in the Seaboard Slave Statesv, A journey through Texaso und A journey in the Back Countrys (3 Bde., Neuyork 1856—61; das bedeutendste Werk in engl. Sprache über die S.); Kapp, „Geschichte der S. in den Vereinigten Staatend (Hamb. 1861); Wilson, History of the rise and fall of the slave power in America (2 Bde., Boston 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 868Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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