FeedSkorbüt
HeilkundeBrockhaus 1882

Skorbüt oder Scharbock nennt man eine auf einer krankhaften Blutmischung beruhende Ernährungskrankheit, welche sich durch zahlreiche Blutungen in die verschiedensten Gewebe und Organe des Körpers kundgibt. Die Krankheit kommt bei Seeleuten (Seeskorbut), aber auch bei Landbewohnern (Landskorbut) vor und beginnt mit großer Schwäche und Müdigkeit, namentlich großer Schwere der Beine, tief gedrückter Stimmung und großer Verzagtheit. Das Gesicht des Kranken verliert seine frische Farbe, wird bleich und schmutzig, die Lippen bläulich, die Augen sinken ein und bekommen blaue Ränder. Nach einigen Tagen oder Wochen schwillt das Zahnfleisch in der Umgebung der Zähne an, wird bläulich, aufgewulstet und blutet außerordentlich leicht. Ahnliche Blutergüsse treten dann in der Haut der Extremitäten und an Stellen auf, welche von mechan. Einflüssen getroffen werden, nicht selten bilden sich auch Blasen oder tiefe, schlaffe, leicht blutende Geschwüre. Die Flecken haben eine verschiedene Größe, sind anfangs schwarzbraun und werden später blau, grün, gelb. Auch in den tiefer gelegenen Geweben (Muskeln, Milz, Knochenhaut) erfolgen ähnliche Blutergüsse. Endlich kommen dazu Wassersuchten der Beine, des Herzbeutels und der Brusthöhle. Die Krankheit dauert meist sehr lange. Ein früher Tod tritt ein infolge der Wassersuchten und Darmblutungen, meist aber endet die Krankheit, wenn überhaupt, erst spät mit dem Tode durch Erschöpfung. Die Krankheit entwickelt sich auf langen Seereisen, wenn Kartoffeln, Gemüse und frisches Fleisch fehlen und die Mannschaft ausschließlich von Zwieback und gepökeltem Fleisch lebt, namentlich aber bei großer, vorzugsweise feuchter Kälte. Auf dem Lande zeigt sie sich dagegen bei solchen Individuen, die fast nur von Gemüse und Kartoffeln leben, oder die sich in kalten und feuchten Kellerwohnungen aufhalten. Auch entsteht die Krankheit infolge der Überfüllung und schlechten Ventilation in Kasernen, Strafanstalten u. s. w. Werden die Kranken den schädlichen Einflüssen entzogen, so fühlen sie sich meist sehr schnell wohl, wenn auch die wirkliche Genesung nur äußerst langsam erfolgt. Die Abkürzung der Seereisen, sowie die bessere Verproviantierung der Schiffe hat den S. in der neuern Zeit wesentlich gemindert. Bei Ausbruch der Krankheit ist für größte Reinlichkeit, warme Kleidung, frische Luft, passende und reichliche Kost (frisches Fleisch, srisches Gemüse und Salat, gutes Bier oder Branntwein mit Wasser, Wein) zu sorgen. Die frisch ausgepreßten Säfte von Brunnenkresse, Kohl, Senf. Rettich, Meerrettich, Löffelkraut leisten sehr gute Dienste. Auch ist der Genuß von fäuerlichen rrüchten und deren Säften (Citronen, Apfelsinen, — — von großem Vorteil. Gegen die skorbutische Zahnfleischaffektion empfehlen sich öftere Ausspulungen des Mundes mit einer Lösung von chlorsaurem Kali, sowie Betupfen der geschwürigen Stellen mit Myrrhentinktur oder Höllenstein.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 872Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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