FeedSlawonien
ErdkundeBrockhaus 1882

Slawonien oder Slavonien bildet in Verbindung mit Kroatien und der ehemaligen kroat.⸗ slawon. Militärgrenze einen zur ungar. Krone gehörigen Länderkompler. (S. Kroatien.) Das Land liegt innerhalb der im N. und O. von der Drave und Donau, im S. von der Save umflossenen Halbinsel, grenzt im N. und O. an Ungarn, im S. an das kroat.⸗slawon. Grenzgebiet, im W. an Kroatien und zählt (1880) auf 9638 àk6m 377 613 E. Es zerfällt in die Komitate Pofega, Verovitice und Syrmien. Das Land wird seiner Länge nach von einer Reihe Berge durchschnitten, welche, eine Fortsezung des Warasdiner Gebirges, aus Kroatien her von W. gegen O. durch die Mitte des Landes sich fortziehen und in der Gegend von Diäkovär enden. Wo dies Gebirge von der Grenze herüberkommt, sind die Thäler schmal; gegen die Mitte des Landes werden sie allmählich offener und bilden bei Pozega eine weite, mit Bergen begrenzte Ebene, die das Poseganerthal genannt wird. Der übrige Teil S.s besteht teils aus fruchtbaren, mit Weinreben und Obstbäumen bepflanzten Anhöhen, teils aus schönen, weiten Ebenen. Das Gebirge ist reich an Steinkohlen, Marmor und Mineralquellen, unter welchen die warmen alkalisch-muriatischen Jodbäder von Lippik unweit Pakracz und die indifferenten Thermen von Daruvär und Podborje am berühmtesten sind, letztere schon den Römern unter dem Namen Thermae Jasorvenses bekannt. Die Hauptflüsse des Landes sind die Donau und die Drave. Außerdem hat S. auch reichlich stehende Gewässer. Die größten und merkwürdigsten Sümpfe sind die von Kologyvar und Palacsa bei Essek. Diese Sümpfe, durch die häufig übertretenden Flüsse gebildet, bewirken es auch, daß S., dessen Klima milder als das von Kroatien ist, zum Teil eine unreine, ungesunde Luft hat. Die Fruchtbarkeit des Landes ist sehr groß und könnte bei sorgfältiger Kultur noch weit bedeutender werden. Die Produkte sind hier alle Getreidearten, namentlich auch Mais und Weizen, alle Arten von Hülsenfrüchten, Obst im Überfluß, besonders gute Äpfel und Pflaumen, welsche Nüsse, Kastanien, Melonen, Tabak, Wein, Eicheln und Knoppern zum Gerben, die ein Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XIV. bedeutendes Einkommen abwerfen, die gewöhnlichen Haustiere, Bienen, Wild und ausgezeichnete „Fische. Die Umgegend von Pozega hat außer Weinbergen und Obstgärten ganze Wälder von tatar. „Wacholder, worin sich eine ungeheuere Menge tSpanischer Fliegen aufhält. 1Die Bewohner S.s sind Südslawen (Serben, Kroaten, Bunyeväczen und Shokaczen, d. i. kath. (Serben) und nennen ihr Vaterland Slawonska. „Sie sprechen die serb. Sprache, welche mit der kroatischen nahe verwandt ist. Die Slawonier sind ein schöner, groß und schlank gebauter Menschenschlag. Neben ihnen finden sich aber auch Deutsche, [Magyaren, Juden und Zigeuner. Die herrschenden „Religionen sind die römisch-katholische und die griechisch-orientalische. Außerdem hat die reform. tKirche einige tausend Anhänger. Außer den Volksschulen bestehen theol. Lehranstalten in Diäkovär kkath.) und Pakracz (griech.⸗orient.), Gymnasien zu Essek und Pozega. Die Industrie ist in S. wie in Kroatien nur gering. Hervorzuheben sind die Seidenkultur, die Glasbereitung im Komitat Verobvitice, die Zuckerfabrik zu Csepin. Der auswärtige Handel S.sbesteht teils in ansehnlichem Produkten-, teils in Zwischenhandel; der Manufakturhandel beschränkt sich auf die Einfuhr österr. Fabrikate. Für die Administration untersteht S. der königl. Landesregierung in Agram, von welchem die drei Komitatsbehörden des Landes in Essek (für das Veroviticer Komitat), Pojega und Vukovär dependieren; diesen sind wieder die Stuhlrichter in den 20 Bezirken, in welche die Komitate zerfallen, untergeordnet. Die größte Stadt (Hauptstadt) des Landes ist die königl. Freistadt Eszek oder Essek (s. d.). Das Wappen von S. ist ein durch zwei silberne, wellenförmig gezogene Binden (die Flüsse Save und Drave) geteilter Schild; im mittlern (roten) Teile ein naturfarbener, nach rechts laufender Marder; im obern (blauen) Teile ein goldener, sechseckiger Stern (Mars); der untere (blaue) Teil ist leer. Geschichte. S. kam unter Augustus als ein Teil von Illyricum unter die Herrschaft der Römer, gehörte zur Provinz Pannonia und wurde nach der Save Pannonia Savia genannt. Später kam das Land unter byzant. Herrschaft, von welcher es sich zur Zeit der Völkerwanderung losmachte, bis auf Syrmien (s. d.), das bei Byzanz blieb. Hierauf wurde es durch die Avaren verwüstet; doch erholte es sich und erhielt zur Zeit Ludwigs des Frommen einen eigenen Fürsten in der Person des Ljudevit, der die Oberherrschaft der Franken anerkennen mußte. Im J. 827 drangen in S. die Bulgaren ein, wurden aber wieder daraus vertrieben. Die Bewohner waren schon früher dem Christentum zugewendet gewesen. Die beiden Byzantiner Cyrill und Method, die 864 in diese Gegenden kamen, befestigten auch hier den christlichen Glauben. Nach der Einwanderung und Niederlassung der Magyaren bildete es einen Teil des ungar. Reichs. Nachdem 1153 der Krieg zwischen dem byzant. Kaiser Emanuel und dem König Geisa II. ausgebrochen war, besetzten die Buyzantiner ganz S. Der Krieg dauerte auch unter König Stephan III. fort, der den Frieden durch überlassung von Syrmien und ganz S. an Byzanz erkaufen mußte. Als aber 1173 Bela III. den ungar. Thron bestieg, wurden S. und Syrmien an Ungarn zurückgegeben und durch eigene Bane, auch zuweilen durch Sprößlinge der königl. Familie regiert. In den 1442 beginnenden Kämpfen mit den Türken wurde S. wiederholt verwüstet. Johannes Corvinus, der natürliche Sohn des Königs von Ungarn, Matthias Corvinus, erhielt 1490 ganz S., mit Ausnahme von Syrmien, unter Dor Bedingung, daß er auf Ungarns Krone Verzicht leiste, während zugleich der König von Böhmen und Ungarn, Wladislaw, den Titel eines Königs von S. annahm und dem Lande ein eigenes Wappen verlieh. Doch fiel 1524 abermals ganz S. in die Hände der Türken. Nach der Schlacht bei Mobacs, 1526, kamen die Komitate Veröcze, Valpo, Pozega und Syrmien unter die Herrschaft der Türken. Im Frieden von 1562 wurden diese Teile den Türken ganz abgetreten, worauf sie unter einem in Pozega residierenden Pascha standen, bis Leopold J. nach 15 blutigen Kriegsjahren 1683 sie den Türken wieder entriß. Die Türken drangen zwar 1690 wieder in S. ein; nachdem sie aber bei Salankemen aufs Haupt geschlagen worden, mußten sie Essek und ganz S. abermals räumen. Durch den Frieden zu Karlowitz kam 1699 ganz S. an Leopold J. und erhielt nun für die Grenzbewachung eine ganz militärische Verfassung. Diese wurde 1745 teilweise abgeschafft, das Land in das Provinziale und Militare eingeteilt und diese Einteilung vom ungar. Landtage 1751 bestätigt. Das Militare behielt seine militärische Verwaltung bei und stand unter dem Kommandierenden von Peterwardein. Dagegen bildeten die Komitate des Provinziale einen der sog. adnexen Teile Ungarns. Als 1849 die Serbische Wojwodschaft (0. d.) errichtet wurde, kamen die beiden syrmischen Bezirke von Ruma und Illok an diese, welche aber nach Aufhebung dieses Kronlandes (1860) wieder an S. zurückfielen. (S. Kroatien, Ssterreichisch-Ungarische Monarchie und Ungarn.) Vgl. Csaplovicz, S. und Kroatien „ (2 Bde., Pest 1819); «Südslaw. Wanderungen im Sommer 1850 (2 Tle., Lpz. 1850); Matkowitsch, «Kroatien-S.y (Agram 1873): Pesty,«Die Entstehung Kroatiens»(Budapest 1881); Schwicker, «Geschichte der österr. Militärgrenzey (Wien u. Teschen 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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