FeedSlowaken
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Slowaken heißen die slaw. Bewohner des nordwestl. Ungarn, die dem czech. Zweige der slaw. Völkerfamilie angehören; ihre Grenze gegen die Magyaren wird ungefähr durch eine Linie von Preßburg über Rima Szombat und Kaschau nach Unghvar gebildet; die Nordgrenze durch die polit. Grenze Ungarns und Galiziens; nach Westen reichen die S. über die ungar. Grenze in Mähren hinein, namentlich in das Dreieck zwischen March, Drevniza und Kleinen Karpaten, und sind außerdem über eine Anzahl abgetrennter Sprachinseln durch Ungarn verbreitet. (S. C echische Sprache.) Ihre Zahl beträgt etwa 2 eill. Sie brachten es, nachdem die Versuche Ludwigs des Deutschen, sie in festere Abhängigkeit zu bringen, mißlungen waren, im 9. Jahrh. in Verbindung mit den Mährern, namentlich unter dem Fürsten Rastislaw und Swatopluk, zu einer kräftigen polit. Entwickelung, dem sog. großmährischen Reiche, das durch den Einbruch der Magyaren in der Schlacht bei Preßburg 907 vernichtet wurde. Von den S. gehört das kleinere Drittel dem Protestantismus, die übrigen der kath. Kirche an. Die Litteratur des slowak. Dialekts ist abgesehen von geringen Anfängen im Mittelalter neuen Datums, vom 16. Dauchhr an herrschte infolge der von Böhmen gerachten Reformation das Czechische im engern Sinne (Böhmische) als Schriftsprache; am Ende des 18. Jahrh. begannen kath. Schriftsteller eine eigene Litteratur im slowak. Dialekt, namentlich unter der Leitung von Ant. Bernolak; da aber andere, namentlich seit den vierziger Jahren des 19. Jahrh. im Anschluß an Ludevit Stür, von dieser Schule abwichen, andere wieder anders schrieben, kam es zu keiner einheitlichen Schriftsprache. In neuester Zeit leidet die slowak. Litteratur unter der gewaltsamen Unterdrückung durch die Magyaren. Von Bearbeitungen der Sprache sind zu nennen: A. Bernolak, «Grammatica slavica (Preßb. 1790; deutsch, Ofen 1817); derselbe, (Lexicon Slavicum Bohemico-Latino-Germanico-Hungaricumo (6 Tle., Ofen 1825—27); M. Hattala, (Grammatica linguae slovenicae (Schemnitz 1850); derselbe, Potàtky mluvnice slovenskén (Wien 1860); J. Victorin, (Grammatik der slowak. Spracher (4. Aufl., Budapest 1878). Die Zahl der Schriftsteller ist beträchtlich; aus älterer Zeit sind erwähnenswert Matth. Bel (gest. 1749), Dan. Krman (gest. 1740), Paul Dolezal, Mart. Loucek (gest. 1802), Steph. Lefka (gest. 1818), der erste Herausgeber einer slowak. Zeitung, Georg Palkowitsch (gest. 1835), Tabliz u. a. Alle diese schrieben slowak. czechisch. Unter den Schriftstellern in slowak. Sprache sind hervorzuheben: A. Bernolak, der beliebte Dichter J. Holly, Lud. Stür, Slädkoviè, Chalüpka, Matuska, Graichmann, P. Dobfinskh, P. Kellner (Hostinskh), J. Victorin, Hattala u. a. Von der slowak. Volkspoesie sind Sammlungen erschienen in Pest (2 Bde., 1823—27, von Schafarik); in Ofen (von Kollar, 2 Bde., 1834 Nu. 1835), von der slowak. Matica «Sbornik sloven-Sskych närodnich piesnio (2 Hefte, 1870—74).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 884Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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