Ruth'nen, Russinen oder Rußniaken nennt man die zum slaw. Stamme gehörigen kleinruss. Bewohner Galiziens und Ungarns, welche zu beiden Seiten der Karpaten westlich über den San und östlich bis in die Bukowina hinein wohnen. (S. Kleinrussen.) Sie zerfallen in verschiedene, nicht scharf getrennte Unterabteilungen, wie die Stojli, Huzulen, Werchowjanen im galiz. Berglande und die Dolischnianen in dem ungar. Flachlande. In der Umgebung des Tatragebirges wohnen ruthenisierte Goralen poln. Abstammung und slowakisierte R., welche den Übergang zu den stammverwandten Slowaken bilden. Die Anzahl der R. im öster. Kaiserstaate beläuft sich auf 3158 900, wovon gegen 350000 in Ungarn wohnen. Der Kulturzustand der R. ist ein im ganzen niedriger, doch fehlt es dem Volke keineswegs an Intelligenz. Sie sind Hirten, Bauern und Fuhrleuke. Die Städte des Landes sind von Polen und Juden bewohnt; der Adel ist polonisiert. Die R. bekennen sich größtenteils zur griech.⸗unierten Religion. Unter poln. Joche hatte die ruthenische Nationalität eine wahre Leidensgeschichte zu durchleben, und auch jetzt wird sie noch sehr durch die Polen, welche in Galizien die herrschende Partei bilden, beeinträchtigt. Doch hat sich seit 1837 eine besondere galiz.russ. und ungar.⸗ russ. Litteratur entwickelt. (S. Kleinrussis ch e Litteratur.) Die R. nennen sich jetzt schlechtweg Russen und ihr Land Rus. Vgl. Bidermann, Die ungarischen R., ihr Erwerb und Ren Geschichte (Innsbr. 1862); Szufsti, Die Polen und Ruthenen in Galizien» (Wien u. Teschen 1882).