Wenden ist in älterer Zeit bei den deutschen Stämmen die allgemeine Bezeichnung slaw. Grenznachbarn; gegenwärtig versteht man darunter nur die Slawen der Ober⸗ und Niederlausitz, die sich selber Serben (Serbjo) nennen und danach in wissenschaftlichen Werken Sorben genannt werden, eine Bezeichnung, die ebenfalls seit alter Zeit bei den deutschen Chronisten vorkommt. Am Anfang unserer überlieferung reichte das Gebiet der sorbischen Stämme ungefähr von Saale bis Bober, ging nördlich etwa bis zum Parallelkreis von Berlin und südlich bis an das Lausitzer und Erzgebirge. Jetzt ist das wendische Sprachgebiet beschränkt auf ein Viereck, das ziemlich gut bestimmt wird durch die Diagonalen Löbau-Lübbenau und Bischofswerda-Pinnow ia von Deut Peitz, etwa 3300 qkm). Es ist völlig von Deutschen umgeben, also außer Zusammenhang mit andern slaw. Sprachgebieten. Das Sorbische gehört zur westl. Abteilung der slaw. Sprachen und zerfällt in zwei stark voneinander abweichende Dialekte: obersorbisch und niedersorbisch, deren Grenze ungefähr durch eine Linie von Senftenberg über Spremberg nach Muskau gegeben wird. Nach den Zusammenstellungen von Mucke (eStatistika Iuziskich Serbowo [eStatistik der lausitzer W.»], Bautzen 1884—86) beträgt die Gesamtzahl der in Deutschland sorbisch Redenden 173469, davon 98059 Obersorben, 75410 Niedersorben. In Sachsen zählte man 1861 noch 54000, dagegen 1880 nur 51410 W. Rein wend. Dörfer, in denen gar keine Deutschen leben, gab es 1880 in Sachsen nur noch vier. Die Niedersorben germanisieren sich schnell, die Obersorben, namentlich in Sachsen, langsamer, doch schreitet auch hier die Germanisierung fort. Das Volk ist zu klein, als daß eine bedeutendere Litteraturentwickelung in seiner Sprache möglich wäre; bis zum J. 1840 geht die Litteratur wenig über den Kreis der kirchlich-religiösen und praktischen Bedürfnisse des Bauernstandes, aus dem fast das ganze Volk besteht, hinaus; von da an, im Zusammenhang mit dem erwachenden Nationalbewußtsein, beginnt das Streben nach weitern Zielen, das in einem der Natur der Sache nach freilich sehr kleinen Kreise namentlich von Predigern und Lehrern der Obersorben (die Niedersorben blieben auf dem alten Standpunkt) eifrige Förderung fand. Der eifrigste Förderer aller auf Hebung der Sprache, Litteratur und des Nationalbewußtseins gerichteten Bestrebun-Rin war Schmaler in Bautzen. Seit 1848 gibt der itterarische Verein Maéica serbska (1847 in Bautzen skeje heraus, die ziemlich alles enthält, was nach wissenschaftlicher Richtung in sorbischer Sprache geschrieben ist, außerdem manches Belletristische, namentlich auch von dem besten Dichter, Andreas Seiler. Für die Pflege der belletristischen Litteratur war indes besonders die Zeitschrift Tuzizan1860—77) bestimmt, seit 1882 dient demselben wecke „Luzica; außerdem erscheint in Bautzen eine wöchentliche Zeitung Serbske nowinyv. Die beste Grammatik des Obersorbischen ist: Pfuhl, (Laut- und Formenlehre der oberlausitzisch-wendischen Spracher (Bautzen 1867); die einzige niedersorbische: Hauptmann, Miederlausitzisch-wendische Grammaticap (Lübben 1761). Für das Studium der Sprache, der Volksüberlieferungen und Sitten ist besonders wichtig die vortreffliche, mit deutscher Übersetzung versehene Volksliedersammlung Schmalers: «Volkslieder der W. in der Ober⸗ und Niederlausitz' (2 Bde., Grimma 1841—43, mit einer Karte des Sprachgebietes). Vgl. Andree, »Wendische Wanderstudien» (Stuttg. 1873); derselbe, „Das Sprachgebiet der lausitzer W. vom 16. Jahrh. bis zur Gegenwarto (Prag 1873); eine Karte des Sprachgebietes auch bei Mucke, »Statistika. Nicht zu verwechseln ist mit dem Namen W. der ursprünglich gleiche Volksname Winden, mit dem die Deutschen jetzt die Slowenen in Kärnten, Krain, Steiermark bezeichnen.