Soest (spr. Sohst), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, in äußerst fruchtbarer Gegend, Station der Linien S.⸗Nordhausen, Schwelm-S. und S.⸗Münster der Preußischen Staatsbahnen, war früher von hohen Mauern und 36 schützenden Türmen (Kattentürmen) umgeben, von denen jetzt nur noch Reste vorhanden sind. Das restaurierte Osthofenthor, ein architektonisch höchst interessantes Bauwerk, diente ebenfalls zur Befestigung der Stadt. S. ist Sitz eines Landratsamts und eines Amtsgerichts, besitzt ein 1532 gegründetes Gymnasium, ein evang. Schullehrerseminar (seit 1806), eine Provinzialtaubstummenanstalt, eine dem Andenken des Oberpräsidenten von Vincke gewidmete, 1877 neugebaute Blindenanstalt und zählt (1885) 14848 E. Von den zahlreichen, aus der Zeit des Glanzes der Stadt herrührenden Kirchen, von denen noch sechs (fünf protestantische und eine katholische) zum Gottesdienst benutzt werden, sind besonders hervorzuheben: der Dom (die kath. Patroclikirche), im roman. Stile, die Petrikirche und besonders die 1314 gegründete, im 15. und 16. Jahrh. ausgebaute, 1850—82 restaurierte und mit zwei Türmen versehene Wiesenkirche (mit schönem Altarblatt vom J. 1437), eine Perle der got. Architektur. S. hat ein Puddel⸗ und Walzwerk, Gerberei, Seifen⸗ und Spiritusfabrik, Getreidehandel und starken Ackerbau. Die die Stadt umgebende Börde (Ober⸗ und Niederbörde) ist ein sehr fruchtbarer Landstrich von 250 qkm emit 10 Kirchdörfern und etwa 20000 E. Im Dorfe Sassendorf 1160 E.), 5 km von S., ist eine alte, Privaten gehörige Saline. S. war im Mittelalter eine der ersten Hansestädte mit reichsstädtischen Rechten und war durch die Zahl seiner Einwohner (20 - 25 000), durch Handel und Reichtum eine der ersten Städte Norddeutschlands. Schon im 12. Jahrh. wurde das Soester Stadtrecht, Schran (Jus Susatense) genannt, geordnet, das in vielen andern Städten, Lübeck, Hamburg u. s. w., als Norm diente. S. gehörte zum Herzogtum Sachsen zwischen Elbe und Rhein und galt als Hauptstadt des Landes der Engern. Als der letzte sächs. Herzog, Heinrich der Löwe, 1180 in die Reichsacht erklärt war, bemächtigte sich der Erzbischof von Köln der Stadt und nötigte sie, jedoch mit Bestätigung ihrer Rechte und Freiheiten, zur Huldigung. Besonders von dem Erzbischof Dietrich von Mörs in ihren Privilegien ekränkt, entzog sie sich aber der Botmäßigkeit deselben und begab sich 1444 unter den Schutz Jo⸗ +0 I., Herzogs von Kleve und Grafen von der ark, was zu einem verheerenden Kriege und zu einer langen Belagerung der Stadt (Soester Fehde) führte. Der Streit endete damit, daß S. und die Börde 1449 unter die Landeshoheit des Herzogs Johannes kamen. Die Geschichte der Stadt S. fällt seitdem mit der der Grafschaft Mark zusammen. Vgl. Barthold, «S., die Stadt der Engerno (Soest 1855); Lübke, «Die mittelalterliche Kunst in Westfalen» (Lpz. 1853); Kayser, „Die soester Patroclikirches (Soest 1863); von Schmitz, „Denkwürdigkeiten aus S.s Vorzeito (Opz. 1873). — Der Kreis Soest zählt (1885) auf 530 51543 E.