FeedSolidus hieß die Goldmünze
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Solidus hieß die Goldmünze, welche Kaiser Konstantin 330 an die Stelle der bis dahin üblichen joldenen Kaisermünze (aureus imperatorius) treten ieß. Ihr Gewicht ward auf ½8 Unze festgestellt, weshalb sie auch Solidus sextularius genannt ward, und mithin wurden aus dem 24lötigen röm. Pfund 72 Solidi zu je 1½¼ Quentchen geschlagen, welche weiter eingeteilt wurden in semisses, tremisses, quadrantes, oder ½, ½, ½. Das dazu verwandte Gold war durchschnittlich 23karatig. In der fränk. Monarchie blieb der Name bestehen; es änderte sich aber seine Bedeutung und die Geltung der dadurch bezeichneten Münze. Unter den Merovingern und Karolingern gab es nämlich folgende Hauptmünzen: das Pfund Gold, den Goldsolidus (solidus aureus, auch schlechthin solidus oder aureus genannt) und das Drittel des Goldsolidus (triens oder tremissis), ferner: das Pfund Silber, den Silbersolidus, das Drittel des Silbersolidus (tremissis) und den Denar (zuweilen auch schlechthin argenteus genannt). Davon aber waren das Pfund Gold, das Pfund Silber und der Silbersolidus nebst seinem Drittel nur Rechnungsmünzen. Wirklich ausgeprägt und in Umlauf gegeben wurden nur der Goldsolidus, der goldene Triens und der Denar (s. d.). Letzterer, der Denarius, welcher stets aus Silber bestand, kann als die Münzeinheit des fränk. Münzsystems betrachtet werden, denn er bildete einen aliquoten Teil des Gold- wie des Silbersolidus, und zwar so, daß immer 12 Denarii einen Silbersolidus und 40 Denarii einen Goldsolidus ausmachten, solange überhaupt diese beiden Münzen nebeneinander bestanden. In der merovingischen Zeit teilte das Münzwesen zwar die Störungen und Schwankungen aller Staats- und Verwaltungsverhältnisse, durchschnittlich aber wurden aus dem beibehaltenen röm. Goldpfunde 87 Goldsolidi 3 die Kont die mitbin etwas leichter ausfielen als die Konstantinischen; das Pfund Silber dagegen ward ungefähr zu 25 Silbersolidis (d. h. zu 275 Denaren) ausgeprägt. Pipin behielt in seinen ersten Regierungsjahren diese Währung bei, ließ aber später nur 22 Silbersolidi (d. h. 264 Denare) aus dem Pfunde schlagen, und Karl d. Gr. beschränkte diese Zahl zuletzt bis auf 20 Silbersolidi (d. h. 240 Denare), indem er zugleich das Gewicht des Pfundes fast um ein Vierteil erhöhte, sodaß sein Münzpfund 11 Lot 3½ Quentchen schwerer war als die kölnische Mark, mithin 28 Lot wog. Die von Karl festgesetzte Stückzahl, wonach 20 Silbersolidi von je 12 Denaren auf das Pfund kamen, ward durch das ganze Mittelalter beibehalten, solange man überhaupt nach Pfunden rechnete; desto häufiger aber ward die Feinheit geändert und meistenteils verschlechtert. (S. Mark.) Die Feinheit des karolingischen Denars war 2½4; mithin enthielt sein 28lötiges Münzpfund 26½ Lot feines Silber, betrug also nach gegenwärtigem Geldwert gerechnet 88 Frs. 30 Cent. oder (wenn man den heutigen Silberfranken Courantgeld dem Goldfranken gleichstellt) 1 deutsche Mark 52 Pf.; sein Silbersolidus oder Schilling 4 Frs. 41½¼ Cent. oder 3 Mark ½e Pf.; „endlich sein Denarius oder Pfennig 36,8 Cent. oder 29,8 deutsche Pf. Feinheit und Kurswert der spätern Solidi sanken mehr und mehr herab, sodaß der Name zuletzt auf Kupfermünzen, wie den ital. Soldo und den franz. Sou (s. d.), überging.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 909Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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