Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond derartig zwischen Erde und Sonne tritt, daß dadurch die Sonne ganz oder zum Teil bedeckt, mithin einem Teil der Erde das Sonnenlicht in dem nämlichen Maße entzogen wird, was aber nur zur Zeit des Neumondes möglich ist. Nach der sinnlichen Wahrnehmung zieht dabei der Mond in Gestalt einer dunkeln Scheibe von Westen nach Osten vor der Sonnenscheibe hin. Wirklich verfinstert wird dabei eigentlich nur die Erde, welche bei der S. in demselben Falle ist, worin der Mond (s. d.) sich bei der Mondfinsternis befindet. Da sich aber der Schatten, den der Mond wirft, nur etwa 375 000 km, mithin etwa ebenso weit von demselben erstreckt, als die Erde vom Monde entfernt ist, so kann es geschehen, daß selbst dann, wenn zur Zeit des Neumondes Sonne, Mond und Erde in gerader Linie stehen, der Mondschatten, wenigstens der volle, die Erde, welche zuweilen über 400000 Km vom Monde entfernt ist, gar nicht erreicht, sodaß kein Teil der Erde völlig verfinstert wird; jedenfalls kann immer nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Erdoberfläche auf einmal verfinstert sein, während dagegen der Erdschatten sich viel weiter (1344000 — 1390000 km) von der Erde erstreckt und daher der Mond sehr oft zur Zeit einer Mondfinsternis ganz und gar in den Erdschatten eingetaucht oder verfinstert ist. Ein weit größerer Teil der Erdoberfläche kann vom Halbschatten des Mondes getroffen werden und sieht dann einen Teil der Sonne verfinstert oder vom Monde bedeckt. Hiernach sind die S. entweder totale, d. h. solche, wo die ganze Sonnenscheibe verfinstert erscheint, oder partiale, d. h. solche, wo die Sonnenscheibe nur zum Teil verdeckt wird. Die größtmögliche Dauer einer totalen S. für einen bestimmten Ort beträgt noch nicht 8 Min. Den Grad der Verfinsterung der Sonne bei einer partialen S. pflegt man so zu bestimmen, daß man den scheinbaren Durchmesser der Sonne in 12 Teile, sog. Zolle, teilt und angibt, wieviel dieser Teile verfinstert sind; hiernach kann also eine Sonnenfinsternis z. B. ö5zöllig, Zzöllig u. s. w. sein. Eine besondere Art partialer S. sind die ringförmigen, bei denen man zwar den ganzen Mond vor der Sonne, die letztere aber dennoch nicht ganzverfinstert, sondern den äußersten ringförmigen Teil der Sonnenscheibe unbedeckt sieht. Eine solche findet in dem vorhin angegebenen Falle statt, wenn die Spitze des Mondschattenkegels die Frde nicht erreicht; der scheinbare Durchmesser des Mondes ist dann um höchstens 3¼ Min. klei615 als der der Sonne, und diejenige Gegend der Erdoberfläche, welche der Spitze des Mondschattenkegels zunächst liegt, hat eine ringförmige S. Was die Umstände einer totalen Finsternis anlangt, so pflegt die eintretende Dunkelheit zwar sehr auffallend zu sein, aber doch meist nur einer starken Dämmerung zu gleichen, in der die hellern Sterne sichtbar werden, die Nachtvögel hervorkommen und die Tiere unruhig werden. Merkwürdig sind die roten Hervorragungen an der Sonnenscheibe (s. Protuberanzen) und der silberweiße, zuweilen auch rötliche oder bläuliche, ziemlich breite Ring (Corona), der sich bei totalen S. um die Sonne zeigt und wahrscheinlich von einer die Sonne auf sehr weite Entfernung hin umgebenden Lichthülle herrührt. Übrigens sind totale S. höchst selten und kommen an einem und demselben Orte der Erde nur etwa alle 200 Jahre vor; im allgemeinen finden jährlich wenigstens zwei S. statt, in der Finsternisperiode von 18 Jahren 11 Tagen gibt es 41, ein bestimmter Ort aber hat durchschnittlich nur alle zwei Jahre eine sichtbare S. Die AIH S. ist für die Chronologie von Wichtigkeit. Totale oder ringförmige S. finden im 19. Jahrh. noch statt: 1887 am 19. Aug., total in Ostpreußen und Rußland; 1890 am 17. Juni, ringförmig im Mittelmeer und in Kleinasien; 1896 am 9. Aug., total in Norwegen, Lappland, Rußland; 1900 am 28. Mai, ringförmig in Portugal und Spanien.