FeedSpaltpilze
PflanzenreichBrockhaus 1882

Spaltpilze, Schizomyeẽten oder auch Bacterien nennt man in der Botanik eine Gruppe einzelliger Pilze, die zu den kleinsten bekannten Organismen gehören. Ihre Fortpflanzung erfolgt durch Teilung, die mit einer Einschnürung beginnt und mit dem Zerfallen einer jeden Zelle in zwei Tochterzellen endigt; diese wachsen ihrerseits wieder bis zu einer gewissen Größe heran, um sich in derselben Weise in je zwei Zellen zu spalten. Da der Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden Teilungen oft nur ein sehr geringer ist, so muß die Vermehrung dieser Pilze, wenn günstige Bedingungen vorhanden sind, eine außerordentlich rasche und reichliche sein. Außer durch Teilung können die meisten S. sich unter gewissen Umständen auch durch Bildung von Dauersporen fortpflanzen, es entstehen in den einzelnen Zellen sich nur eine, seltener mehrere solcher Sporen, die si durch eine stärkere glänzende Zellenhaut auszeichnen und durch Auflösung oder Zerstörung der Mutterzellenmembran ins Freie gelangen. Diese Sporen können sofort keimen, wenn sie in der Nährflüssigkeit, in der sie entstanden sind, verbleiben, im Falle des Austrocknens bewahren sie ihre Keimfähigkeit längere Zeit und können in diesem Zustande leicht durch Luftströmungen fortgeführt werden, bis sie wieder unter geeigneten Bedingungen, Vorhandensein der nötigen Feuchtigkeit u. dgl., zur Keimung und Weiterentwickelung gelangen. Die Bildung von Sporen geschieht jedoch in der Regel erst dann, wenn der vegetativen Vermehrung durch Mangel der nötigen Nährstoffe ein Ziel gesetzt ist. Die morphologischen Verhältnisse der S. sind in neuerer Zeit in vieler Hinsicht genau untersucht worden. Es treten sehr verschiedenartige Formen auf, und man unterscheidet danach gewöhnlich: 1) Coccen, kugelige Formen, meist von außerordentlicher Kleinheit, deren Durchmesser oft nur Bruchteile eines 0,hor mm beträgt; 2) cylindrische Formen, unter denen man wieder je nach der Längenausdehnung verschiedene Gruppen unterscheiden kann: a) Kurzstäbchen oder Bacterien im engern Sinne, b) Langstäbchen oder Bacillen, c) fädige Formen, die sich aus mehrern reihenförmig aneinander liegenden Zellen zufsammensetzen: Leptothrix⸗„ Crenothrix⸗„ Cladothrixform; 3) schraubenlinig gekrümmte Formen, die entweder bloß ein Stück einer Windung oder eine ganze und mehr Windungen darstellen, wonach man sie in Vibrionen und Spirillen trennt; 4) paketartige Formen, deren Teilungen nach verschiedenen Richtungen des Raumes erfolgen, wodurch die einzelnen Gruppen das Aussehen von kreuzweise geschnürten Paketen erhalten; man hat sie deshalb auch Sareinaform genannt. In Gestalt der einzelnen Individuen schließt sich Sarcina am engsten an die Coccen an. Die eben aufgeführten Gruppen sind jedoch nicht als systematische Familien zu betrachten, sondern nur nach der Form unterschieden; denn durch neuere Untersuchungen ist auf das bestimmteste nachgewiesen, daß die einzelnen Formen ineinander überehen können; so entwickeln sich aus gewissen Coccen Stäbchen, diese wachsen zu Fäden aus, zerfallen bald darauf in schraubenlinig gekrümmte Partien und schließlich bilden die einzelnen Zellen durch reichlich auftretende Teilungen wieder Coccen, die häufig zu einer schleimartigen Masse vereinigt sind und dann den Namen Zoogloea führen. Da nun aber ein derartiger Entwickelungsgang von der Coccusform durch alle Zwischenstadien bis zur Cladothrixform nur bei verhältnismäßig wenigen S. beobachtet ist, für zahlreiche andere aber als wahrscheinlich gelten kann, so ist die systematische Einteilung der S. naturgemäß eine schwankende und provisorische, bei rein morphologischer Betrachtung der einzelnen hierher gehörigen Pilze ist eine Unterscheidung von Arten oft kaum möglich. CEher noch läßt sich eine solche Einteilung auf Grund der physiologischen Eigenschaften aufstellen. Früher unterschied man in dieser Hinsicht drei Gruppen, nämlich: pathogene S., die als Ursache von Krankheiten zu betrachten sind, wie die neuerdings häufig als Mikroben bezeichneten Kontagien der Diphtheritis, Tuberkulose, Cholera, Milzbrand u. a. (s. Mikroben); ferner chromogene, d. h. farbstoffbildende S., welche der Nährflüssigkeit oder dem Substrat eine charakteristische Färbung geben, wie der bekannte Mikrococcus prodigiosus, dessen blutrot gefärbte Zoogloeen die sog. blutigen Hostien, sowie die auf Weißbrot, Kartoffeln u. dgl. auftretenden Blutflecken veranlassen, sowie die Pilze, welche die Erscheinungen der blauen und gelben Milch, des blauen Eiters u. s. w. hervorrufen. Die dritte Gruppe umfaßt die sog. zymogenen S., bei deren Weiterentwickelung in der Nährflüssigkeit verschiedene chem. Veränderungen herbeigeführt werden, besonders solche, die man unter dem Namen Gärung zusammenfaßt; dazu gehören u. a. diejenigen S., welche die Milchsäure⸗, Buttersäure⸗, Essigsäuregärung bewirken. Auch diese Gruppierung in pathogene, chromogene, zymogene S. ist keine natürliche; am besten ist es noch, wenn man, wie es neuerdings geschieht, diejenigen S. zu Gruppen zusammenfaßt, von denen ein gleicher Entwickelungsgang bekannt ist, und die übrigen, von denen man nur einzelne ee kennt, zunächst als unvollständig bekannte „e nach ihrer Gestalt gruppiert. Die Litteratur über S. ist in neuester Zeit außerordentlich angewachsen und zwar besonders auf medizinischem Gebiet (pgl. Mikroben); von zusammenfassenden Schriften auf botanischem Gebiet sind hervorzuheben: Nägeli, Untersuchungen über niedere Pilzer (mehrere Abhandlungen, Münch. 1876)1 Cohn, Untersuchungen über Bacterieno (in Beiträgen zur Biologie der Pflanzenv, Bd. 1. u. 2); Zopf, Die S.v (in Encyklopädie der Naturwissenschaften », Bresl. 1883); De Bary,« Morphologie und Physiologie der Pilzer (Lpz. 1885).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 3Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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