Spieluhren (frz. montres à carillon, engl. musical watches) heißen Uhren, welchen ein Spielwerk beigegeben ist, um zu bestimmten Zeiten, z. B. wenn die Stunde voll wird, ein kürzeres oder längeres Musikstück vorzutragen. Sie sind sehr verschiedener Art, teils nach Größe und Beschaffenheit der Uhr an sich, teils nach der Natur des musikalischen Apparats. Die ältesten Spielwerke waren die Glockenspiele (s. d.), welche ehemals nicht selten mit Turmuhren verbunden wurden, wobei man gewöhnlich eine Folge von vier, sechs bis acht Tönen hatte. Kleine, durch eine Stift- oder Daumenwalze gehobene Hämmer schlagen hier in bestimmter Abwechselung taktmäßig auf die in einer Reihe aufgehangenen, gehörig abgestimmten Glocken. Die Erfindung dieser Glockenwerke ist sehr alt und wird den Goken zugeschrieben. Eine andere Art bilden die Flötenwerke oder Musikspielwerke, bei welchen wie in einer Drehorgel ein System von Pfeifen mittels eines Blasbalgs angeblasen wird, während die Stifte einer langsam umgedrehten Walze nach Erfordernis die Lufteinlaßventile öffnen; man verbindet sie wohl mit Haus⸗ und andern großen Pendeluhren. In Stutzuhren, ja sogar in Taschenuhren sind dagegen die sog. Carillons oder Stahlspielwerke (s. d.) ausschließlich gebräuchlich, weil sie am wenigsten Raum einnehmen und eine im Zimmer zulässige, nicht zu laute Musik hervorbringen. Ein solches Spielwerk besteht (übereinstimmend mit denen, welche früher in Dosen, Petschaften und Ringen vorkamen) aus einer Reihe gerader, an einem Ende befestigter Stahlzungen von stufenweise abnehmender Länge, welche durch die Stifte einer Messingwalze in Bewegung gesetzt werden. Bei S. überhaupt ist das Spielwerk von dem Gang⸗ und Schlagwerke der Uhr völlig unabhängig und wird selbständig durch ein Gewicht oder eine Feder getrieben. Nur besteht zwischen beiden eine Verbindung in der Art, daß das Uhrwerk in den vorausbestimmten Zeitpunkten das Spielwerk auslöst, d. h. seine Triebkraft in Freiheit setzt, worauf es sogleich zu spielen anfängt und so lange fortfährt, bis am Ende des Musikstücks eine Arretierung einfällt und das Spielwerk wieder zum Stillstehen bringt. Gegenwärtig sind die Spieldosen oder Musikküsten beliebter als die S. Die Fabrikation derselben ist in der Schweiz zu einem wirklichen Industriezweige geworden; die hervorragenden Produktionsorte sind St.⸗Croix am Chasseron im waadtländischen Jura und Genf. Der Wert der in der Schweiz angesertigten Spielwerke mag sich jährlich auf 1½ Mill. Frs. belaufen. Seit einer Reihe von Jahren bemüht man sich mit Erfolg, den Spielwerlen eine accessorische Rolle an Ziergegenständen, oder Möbeln, oder Verbrauchsobiekten zu geben, indem man die kleinern Werke in Arbeitskästchen, Cigarrenetuis, Photographiealbums u. s. w., die größern an Sesseln, Divane, Schnitzwerken u. s. w. unterbringt. Nicht genau in die Industrie der S. und Spieldosen, sondern zwischen sie und die Bijouterie fällt die Fabrikation der Miniaturvögelchen, welche, in zierlichen, oft sehr reichen Goldgehäusen angebracht, nach dem Aufziehen des Spielwerks heraustreten, sich bewegen und zwitschern. (über Orchestrion, s. d.)