Spiraea, Spier, eine artenreiche, Stauden und Sträucher einschließende Pflanzengattung aus der Familie der Rosaceen; sie bildet für sich eine Unterfamilie (Spiraeoidéae). Die zu Trauben, Doldentrauben oder Trugdolden vereinigten Blüten sind regelmäßig, haben eine scheibenförmig erweiterte Achse, einen röhrigen Kelch mit fünfspaltigem Samen, fünf kurzgenagelte Blumenblätter, zahlreiche, auf dem Rande des Kelchschlundes eingefügte Staubgefäße und fünf Stempel, welche zu mehrsamigen Balgkapseln auswachsen. Außerdem ist die Gattung durch zwar einfache, aber selten ganzrandige, meistens hand⸗ oder fiederförmig geteilte, selten gefiederte Blätter mit oder ohne Nebenblättern gekennzeichnet. Die niedern Arten des Spier sind ausgezeichnete Gartenzierpflanzen. Unter den Stauden werden vorzugsweise folgende geschätzt: S. Aruncus L., der Waldspier, Gebirgswälder Deutschlands bewohnend, bis 2 m hohe prächtige Büsche bildend, mit eleganten, zwei⸗ oder dreifach⸗-fiederteiligen Blättern und weißen, teils männlichen, teils weiblichen Blüten in walzenförmigen Ahren, welche zu mächtigen, graziös geneigten Rispen zusammentreten. In den Gärten vorzugsweise gern gesehen ist die gefüllt blühende Spielart, S. Ulmaria L., der Süßspier, Mädesüß, ebenfalls in Deutschland zu Hause und gemein auf feuchten Wiesen, bis 2 mhoch, mit unterbrochen fiederteiligen, unten weißwolligen Blättern und weißen zu unregelmäßigen Doldentrauben vereinigten Blüten. Von ihr hat man in den Gärten eine Varietät mit weiß oder gelblichweiß panachierten Blättern. Ihr nahe verwandt ist die in Gärten häufig angepflanzte nordamerikanische 8. lobata Nurr., der Lappenspier, mit zart-rosenroten doldentraubigen Blütenrispen, und ihre Varietät venusta mit kräftiger kolorierten Blüten. Obwohl auf trockenen Wiesen und Anhöhen wildwachsend, wird wegen ihrer Schönheit 8. Filipendula L., der Knollenspier, in den Gärten unterhalten, vorzugsweise ihre gefüllt blühende Varietät. Ihre dünnen Wurzeln haben knollige Anschwellungen und die rosaweißen Blüten auf etwa Im hohen Stengeln bilden endständige Trugdolden, welche zu mächtigen doldigen Rispen gesammelt sind. Ihre fiederteiligen Blätter sind rosettenartig ausgebreitet. Die schönste aller Spierstauden ist S. palmata Thh9. Sie ist in Japan einheimisch und der 8§. lobata ähnlich, hat aber niedrigere, gleich den Blattstielen rötliche Stengel, auf denen die purpurroten Blüten in reichen Sträußen stehen. Alle diese für die Gärten wichtige Stauden lassen sich mit Leichtigkeit durch Stockteilung vermehren. Ein für die Gärten gleich wertvolles Ausstattungsmaterial sind die Sträucher dieser Gattung. Eine derselben, 8. salicifolia L., der Weidenspier, ist in Deutschland in Gebüschen, an Zäunen und an Ufern gemein, hat rutenförmige braune Stengel, länglich lanzettförmige Blätter und zu Trauben gesammelte, fast ährenförmige rötlichweiße oder hellrosenrote Blüten. In Ungarn einheimisch ist S. ulmifolia Scop., der Ulmenspier, ein Im hoher Strauch mit kantigen Zweigen, eirunden, gesägten Blättern und in langgestielten Doldentrauben stehenden weißen Blüten. Aus Nordamerika stammen §. opulifolia L., der chneeballspier, mit rundlich dreilappigen, gestielten, doppelt gesägten Blättern und weißen, zu halbkugeligen Doldentrauben gesammelten Blüten und aufgeblasenen Kapseln, S. Douglasii Hoo. mit graufilzigen Asten und länglichen, nur an der Spitze gesägten, unten etwas filzigen Blättern und dunkelroten Blütenrispen, 8. ariaefolia 80., bis 3 m hoch, mit länglich elliptischen, gelappten, gesägten Blättern und gelblichweißen Blüten in zusammengesetzten Rispen, und 8. tomentosa Filzspier, Im hoch, dem Weidenspier ähnlich, aber mit rostfarbigem Filz bedeckt, mit länglich eiförmigen, grobgesägten, unten dicht rotfilzigen Blättern, mit kleinern, aber dunklern Blüten in langen Endrispen. Von asiat. Arten werden vor-Ebreich folgende geschätzt: 8. sorbifolia L., der Ebreschenspier, eine prächtige sibir. Art, gekennzeichnet durch braunwarzige Stämme, 25 em lange gefiederte Blätter mit lanzettförmigen gesägten Blättchen und großen Endrispen weißer Blüten. Einige andere Arten sind in China und Japan zu Hause. Die schönste derselben ist 8S. prunifolia Blime., der Pflaumenspier; die mit weißen Blütendolden übersäeten Zweige sind graziös gebogen und bilden mit ihren rundlichen, gesägten, mit seidenartigen Haaren bekleideten Blättern einen eleganten, 1½ m hohen Busch. Noch häufiger wird die gefüllt blühende Varietät kultiviert, deren Blumen das Ansehen zierlicher weißer Röschen haben. Sie wird häufig im Treibhause zur frühern Blüte Wäten t Bei 8. cantonensis stehen die weißen lüten in gestielten Dolden an jungen Trieben der im Vorjahre entstandenen Zweige. Besonders reichblütig ist die Varietät mit gefüllten Blumen; sie wird ebenfalls gern dem Treibverfahren unterworfen. §. callosa 1½59., der Schwielenspier, gehört zu den schönsten Spiersträuchern, welche für die Ausstattung der Gärten zu finden sind. Die Stämme des gegen 1m hohen Strauchs sind oben verästelt und die Spitze der Triebe und die ovallanzettlichen, doppelt gesägten Blätter in der Jugend rot. Die lebhaft roten, bei einer Varietät weißen Blüten bilden endständige, zusammengesetzte, flache Doldentrauben.